Hommage Wolfgang Kohlhaase
Er schreibt Geschichte(n)

„Ein Drehbuch ist das Notieren einer Geschichte Zwecke ihrer Verfilmung“, sagt Wolfgang Kohlhaase. Er bekommt in diesem Jahr den Ehrenpreis des Filmkunstfests.

Hommage: Wolfgang Kohlhaase
Foto: Petr Novák, Wikipedia, CC-BY-SA

Wolfgang Kohlhaase blickt auf 60 Jahre Filmkarriere zurück. Er schreibt und schreibt, ist Co-Regisseur und schreibt wieder. Liest man etwas über Wolfgang Kohlhaase, stößt man immer wieder auf Sätze wie: „Ich wollte eine Geschichte erzählen, die unter anderem davon handelt, was jeder kennt.“ Oder dass er auf die Straße geht, um Berlin, die Menschen und das Leben so zu zeigen, wie sie wirklich sind. Wirklichkeit scheint das Motto zu sein, das er sich auf die Filmfahnen geschrieben hat.

Es sind die authentischen, ungeschminkten und kleinen Geschichten des Alltags, die immer wieder in seinen Drehbüchern vorkommen. Regisseur Andreas Dresen über die Poesie Kohlhaases : „Er schreibt es so, dass man lachen muss, obwohl es ziemlich traurig ist. Es ist nicht das große, konstruierte Drama, das hier stattfindet, es sind all die banalen, kleinen, traurigen, lustigen Geschichten, die Alltag bedeuten.“
Dresen ist einer der Regisseure, mit denen Kohlhaase eng zusammengearbeitet hat. Seine Laufbahn beginnt 1953 mit dem Jugendfilm STÖRENFRIEDE von Wolfgang Schleif. Es folgt die Kooperation mit dem Regisseur Gerhard Klein. Gemeinsam drehen sie mehrere Berlin-Filme, deren Drehbücher als unpathetisch, persönlich und authentisch gelobt werden.

Kohlhaase orientiert sich an den Neorealisten, für ihn sind die Figuren und eine ausgefeilte Charakterzeichnung wichtig. 40 Jahre lang macht er in Ostberlin DEFA-Filme. „Da haben zwei, drei Generationen von Menschen Geschichten erzählt, die mit ihrem Leben zu tun hatten. Die Summe dieser Filme gibt Auskunft über ein Land, das heute nicht mehr existiert“, sagt Kohlhaase später. Nur einmal – 1965 – wird der Film BERLIN UM DIE ECKE verboten, also schreibt er Prosa und ein Hörspiel. Nach der Wiedervereinigung schafft er es, weiterhin erfolgreich im Geschäft zu bleiben.

Was für ihn einen guten Drehbuchautoren ausmacht? „Er muss sich für Menschen interessieren, ihm muss die Welt sinnlich begegnen.“ Wolfgang Kohlhaase interessiert sich immer noch für den Menschen. Das beweist sein neuester Film ALS WIR TRÄUMTEN, den er 2015 mit Andreas Dresen gedreht hat.

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