Kurzfilmnacht
Kurze Filme in einer langen Nacht

Der Speicher hat zu viele Menschen gespeichert, die Luft ist stickig, die Stimmung heiter – Freitagabend fand die Kurzfilmnacht statt.

Kurzfilmnacht 2015
Foto: Jette Kleindienst

Weit mehr als 200 Menschen sitzen an diesem Freitagabend dicht zusammengequetscht im Soziokulturellen Zentrum „Der Speicher“. Im Programm steht die „kurzfilmnacht“, auf der Bühne steht Moderator Christoph Gagzow, ich stehe eingequetscht zwischen zwei kräftigen Männern in der letzten Reihe. Noch fix ein Bierchen geholt und dann geht es schon los. Nach einem fluffigen Auftakt räumt Talkmaster Christoph direkt wieder seinen Platz. Die Akkordeon spielende und (Obacht!) gleichzeitig singende Rommy Rügheimer beginnt zu performen. Sie erzeugt Töne, die klingen, als hätten sich Yann Tiersen und Dota und die Stadtpiraten zufällig an einem milden Sommertag unter einem blühenden Kirschbaum getroffen und süße Liebe miteinander gemacht. Nein, also ernsthaft: Großartige Lieder durchströmen den Raum und lassen das Publikum über ihr Leben nachdenken. Und dann startet auch schon der erste Film. Dann der nächste. Und der übernächste. Nach 21 Filmen mit zwei kurzen Pausen in über drei Stunden bin ich durch. Mit dem Programm und zugegebenermaßen auch mit meinem Kopf. Schnell noch für meine Favoriten voten und dann heißt es: abwarten und Tee trinken. Der anfänglich riesige Mob ist zu rund einem Zehntel seiner selbst geschrumpft. Schade. Ist das nicht eigentlich der spannendste Teil? Ein kleiner, trauriger Applaus, Trommelwirbel, Verkündigung der Gewinner ohne viel Tamtam.

Auf Platz drei ist Freya Glombs wirklich witziges und echt old-schooles Poetry-Slam-Rap-Battle EENE gelandet. Platz zwei belegt SLAPKICK von Chon-Dat Nguyen. Vermutlich, weil sich der Streifen selber nicht zu ernst nimmt, aus der Reihe tanzt und die vierte Wand durchbricht. Nahezu die Wände durchbrachen auch die Lacher des Publikums. Gewinner des Abends wurde Matthew VanDykes NOT ANYMORE: A STORY OF REVOLUTION. Auf eine Viertelstunde komprimiert, erzählt er von einem ergreifenden Schicksal vor der Kulisse des vom Krieg zerstörten Syriens. Absolut sehenswert, aber Geschmack ist ja bekanntlich relativ. Wer diese Kurzfilmsammlung verpasst hat, kann sich von der Kurzweiligkeit einer solchen Veranstaltung immerhin noch Sonntagfrüh mit dem KURZFILMWETTBEWERB 2 überzeugen lassen.

Korrektur

Im ursprünglichen Text, der auch in der Ausgabe Nr. 5 erschienen ist, schrieben wir, dass die Musikerin Rommy Grünkorn hieße. Der richtige Name ist natürlich Rommy Rügheimer. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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