JUNGER FILM: Furor
Und ich freue mich aufs nächste Mal wütend sein

„Ich muss aber sagen, ich finde an dieser Wut auch einfach manchmal Gefallen. Dann bin ich frei. Irgendwie.“

Eine vom Bildschirm abgefilmte Aufnahme. Die doppelte Kameraführung bringt noch mehr Unruhe, doch schon die Aufnahme an sich ist wacklig und zum Teil unscharf und erinnert mich an alte Familienfilme. Auf der Aufnahme eine junge Frau, ihre Augen, Nase, Hände in Nahaufnahme, dann wieder aus der Ferne. Die Kamera springt zwischen den Bildern im schnellen Wechsel hin und her. Reinzoomen, rauszoomen und rasches Schwenken. Bilder von Wald, Natur, Brücken und Schildern.

Aus dem Off die Worte einer Frau, vermutlich von der auf den Aufnahmen. Eine Erklärung, ein Tagebucheintrag, wie sich Wut oder im spanischen Furor bei ihr anfühlt. Die Frau hat raspelkurze Haare, eine blutige Nase, verschränkte Arme. Durch die Gegend wandernd und gegen Mülleimer schlagend. Für sie bedeutet Wut unverstanden sein, unangepasst sein, aus der Reihe tanzend. Erwachsen werden kombiniert mit einer Art Weltschmerz. Kontrollverlust. Wut kommt aus dem Innern, „so der Magenbereich, manchmal auch der Kopf“ und ist nicht steuerbar.

Luna Jordan und Frida Lindenau haben den Film zusammen produziert – spontan. Gespielt wird die junge Frau von Luna Jordan selbst. Dabei gibt sie alles und bringt mir das Gefühl von Wut sehr nah. Die raue und dunkle Stimme, die Wut so eindrücklich und zugleich ruhig beschreibt, steht im starken Gegensatz zu dem Gefühl selbst und auch zu den Bildern. Eine Definition aus dem Duden wird den sehr persönlichen Worten zum Ende entgegengesetzt. Insgesamt macht „Furor“ keinen Versuch, Wut gesellschaftlich zu etablieren oder das große Missverständnis von Wütenden aufzuklären. Er erzählt nichts Neues und doch treffen die Worte auch mein eigenes Gefühl, wenn ich mich wütend fühle. Ich beginne zu verstehen oder denke das zumindest. Und freue mich ein wenig aufs nächste Mal wütend sein. Das spanische „Furor“ klingt auch einfach genau richtig.


Text: Greta Markfort

Dieser Film läuft in Block 5 des Wettbewerbs JUNGER FILM beim FiSH – Filmfestival im Stadthafen.

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