JUNGER FILM: Paradiesvogel: Trennungskind Paradiesvogel

Es ist Sommer in Berlin. Die Bäume rauschen, der Himmel ist blau. Auf einem der Hinterhöfe im Plattenbau stehen Milan und Laurie. In der Mitte ein Paradiesvogel, er schreit zwischen ihnen in seinem Käfig und die beiden sich gegenseitig an.

Ein kleines rotes Auto steht am Rand der Szenerie. Drinnen sitzt Milan, rechts von ihm auf dem Beifahrersitz steht ein abgedeckter Vogelkäfig in dem ein bunter Paradiesvogel sitzt. Milan wirkt nervös, immer wieder schaut er in den Rückspiegel, blinzelt einige Male, gibt sich eine Backpfeife, eine zweite, eine dritte, bis ihm ein paar Tränen über die Wangen laufen.

„Sieht das echt aus?“, fragt er seinen Beifahrer noch schnell bevor er aussteigt. Als Antwort nur Krächzen.

Jannik Weiße in der Regie und Samuel Gheist als Drehbuchautor schufen gemeinsam mit den Schauspieler*innen Noah Tinwa (Milan) und Safinaz Sattar (Laurie) einen dramatischen, modernen Break-up-Film.

Die Kameraführung und Szenenbilder sowie Dialoge und Schauspiel erinnern an die deutsche Webserie „DRUCK“ von Funk. Wer diese Serie mag, wird das kurze Drama mit urban feeling über den Liebeswirbel zwei junger Menschen sehr mögen.

Laurie schiebt eine Plastiktüte voll mit den letzten Erinnerungen an Milan über die Motorhaube zu ihm. Er kramt darin herum, sie machen kleine Witze, lächeln sich gegenseitig aufmunternd an. Diese kurzen Momente der Ruhe und des Friedens, dargestellt durch Intimität zwischen dem zerbrochenen Paar, lässt den Zuschauer kurz in die vergangene Liebesbeziehung eintauchen.

Die Dialoge zwischen Milan und Laurie tragen einen Trennungsschmerz in sich, der ausgesprochen authentisch an das Filmpublikum übermittelt wird. Immer wieder geraten die beiden jungen Erwachsenen aneinander. Besonders im Vordergrund: die Frage nach der Schuld und Verantwortung, die bis zum Ende des Filmes ungeklärt bleibt. Beide fühlen Wut, Verzweiflung, Frust. Aufeinander und auch auf sich selbst.

Jedes Mal, wenn die beiden es schaffen, sich auf eine Entscheidung bezüglich des Paradiesvogels zu einigen, den keiner der beiden wirklich behalten will, bricht sie mindestens genauso schnell wieder auseinander. Sie halten sich nicht mehr aus, streiten, schreien sich an und machen sich Vorwürfe.

Der ganze Film ist zunehmend ein großes Hin und Her der Gefühle, mit einem ernüchternd realen Ende – gar keinem.

Noah Tinwa und Safinaz Sattar erschaffen mit ihrem energetischen Miteinander und ihrem authentischen Schauspiel das Bild zweier junger verliebt-verletzter Menschen, deren Konflikt so menschlich und normal ist, dass das Mitfühlen einem nicht schwer fallen kann.


Text: Finnja Lehmann

Dieser Film läuft in Block 6 des Wettbewerbs JUNGER FILM beim FiSH – Filmfestival im Stadthafen.

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