JUNGER FILM: Alone
Mit sich allein?

Ein Jugendlicher lehnt am Geländer einer Autobahnbrücke. Keuchend blickt er hinab auf den rauschenden Strom der Fahrzeuge, stemmt sich hoch; dann ein Schnitt. Dieser Eindruck, welcher unbehaglich schwer zurückbleibt, prägt eine finstere Vorahnung für den Ausgang von „Alone“.

Content-Note für den Film: Selbstmord(gedanken)

Neue Umgebung, neue Schule, Orientierungslosigkeit und Mobbing – all das erfährt der Protagonist Luke und versinnbildlicht die Lage vieler Schülerinnen und Schüler, die ihr Leben mit ähnlichen Problemen bestreiten müssen.

Die Einsamkeit dieses Jungen ist offensichtlich, sein Leid muss man erahnen, so wie viele Jugendliche zeigt er es nicht. Er „muss sich da noch ein bisschen einleben“ – so sagt er es, und so hofft er es wahrscheinlich auch.

An einer dunklen Bushaltestelle, es regnet, trifft er auf den gleichaltrigen Chris. Sympathie auf den ersten Blick – dies wird jedoch keine Begegnung ohne Folgen bleiben und eine ganze Reihe unklarer Ereignisse nach sich ziehen.

Wie sich der Kreis zum Anfang hin schließt, soviel lässt sich sagen, ist nicht zu erahnen. Auch daher sollte man sich diesen Film unbedingt selbst ansehen.

Mit ihrem Kurzfilm inszenieren die beiden jungen Filmschaffenden Amechi Oji und Jakob Bey ihre Sicht auf eine Thematik, die auch von Erfahrung aus dem Schulalltag geprägt sein muss, denn beide sind noch mitten drin – mit 15 Jahren. Die gewählte Dramatik überrascht dennoch – und schockiert.

Grundsätzlich betrachten wir das Leben eines Jungen am Abgrund, und das ziemlich wörtlich. Getrieben von sozialer Isolation und Hass, möglicherweise herausgerissen aus seinem gewohnten Umfeld, durchlebt er eine schwere Krise und verliert dabei sich selbst – so zumindest mein Eindruck.

Die zweite Rolle, Chris, lässt jedenfalls großen Raum für unterschiedliche Auffassungen, aber auch fürs Rätselraten. Tief greift dabei ein Rollenkonflikt, der meiner Ansicht nach zwar die Intention der Filmemacher gut transportiert, jedoch etwas zu oberflächlich behandelt wird, um nicht zu sagen unplausibel wirkt. Es kommen leichte Zweifel auf – Ist am Ende vielleicht alles Einbildung?

Drastisch schließt der Film, in vielerlei Hinsicht ebenso, wie er begann – und trifft dabei genau ins Schwarze, erregt Aufmerksamkeit für das tragische Problem. Der schlussendliche Ausgang der Geschichte wird jedoch offen gelassen.

In meinen Augen sollte man auch den technischen Aspekt dieses Kurzfilmes würdigen. In durchdachten Kameraeinstellungen und mit gekonnter Produktion liefern die beiden Filmemacher hier beeindruckendes Material ab. Weit über ihrer Gewichtsklasse.

„Alone“ sehe ich als eine beeindruckende Kleinproduktion der Freunde Amechi Oji und Jakob Bey, welche thematisch und technisch überzeugen kann. Die Wahl eines so schwierigen Themas, ihre Ideen und ihre Umsetzung haben mich sehr positiv überrascht. Der Stil macht neugierig, zukünftige Produktionen sollte man sich nicht entgehen lassen.


Text: Moritz Schröder

Dieser Film läuft in Block 2 des Wettbewerbs JUNGER FILM beim FiSH – Filmfestival im Stadthafen.

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