JUNGER FILM: Sauerland
„Ich pack doch nicht deine Sachen! Du bist alt genug.“

Ein junges Paar, ein altes Auto, ein Streit im Regen. Zwei Ansichten aus unserer Redaktion zum Kurzfilm „Sauerland“.

Im Kurzfim von Ajdin Ramovic und Simon Liersam sitzen wir immer wieder mittendrin, hinten in einem rostigen amerikanischen Auto und sind ganz dicht bei diesem Paar. Die Umgebung ist trist und es regnet. Die verbalen Fetzen fliegen zwischen den beiden im parkenden Auto. Die Scheiben sind ganz beschlagen von der hitzigen Stimmung zwischen ihnen.

Dieser kurze Einblick wäre ein voyeuristisches Amüsement, ein Einblick in einen klassischen Beziehungsstreit und nichts weiter, wäre da nicht dieser kleine Twist, der es schafft, die Zuschauenden in einem Sekundenbruchteil vom Gegenteil zu überzeugen. Sie sind doch auf dem Weg zu einem wichtigen Termin, oder? An der Interpretation kommt man bei „Sauerland“ nur schwer vorbei.

Der Regen prasselt beständig während ich als Zuschauende mich frage, ob ich den Film rückwärts sehen will.

Das verbale Ping-Pong der Protagonist*innen holt mich inhaltlich ab. Sie streiten vulgär, ohne Blatt vor dem Mund, schenken sich dabei beide nichts. Wir wechseln beim Zusehen die Positionen. Mal schauen wir von der Rückbank zu, mal schauen wir von außen.

Vom Ton könnte der Streit noch überspitzter oder ernster sein. So kaufe ich den Schauspieler*innen Carmen Langenbach und Georg Reibel die Rolle als sich neckendes oder streitendes Paar rein stimmungsmäßig nicht so richtig ab.

„Sauerland“ lief schon auf einigen Festivals und gewann 2019 beim Kurzfilmwettbewerb des Bielefelder Bilderbeben.

Text: Katharina Bluhm


Saures Land

Ein junges Paar unterwegs im Auto. Die Umgebung ist trist. Der Asphalt glänzt vor Nässe. Der Regen plätschert. Auf einmal hört man Stimmen, als ob jemand das Radio anschaltet.

Es ist das junge Paar, in ihrem schwarzen oldschool Auto die plötzlich auf einem Parkplatz anhalten. Es scheint so, als ob es noch etwas auszudiskutieren gibt.

Humoristisch, vulgär und nicht pc liefern sich die Beiden einen Schlagabtausch. Nach einer Weile begeben sie sich mit quietschenden Reifen und einem Versöhnungskuss weiter. Nur wohin?

Ajdin Ramovic & Simon Liersam haben einen Kurzfilm geschaffen, der für mich den Spaß am Streiten, auch in den scheinbar unpassendsten Momenten, hervorhebt.

Während des Streits des jungen Paares sitzt man als Zuschauer*in mal auf dem Rücksitz und mal nimmt man eine Außenperspektive ein. Das gibt der Situation einen absurden und variierenden Charakter. Auch, weil man die ganze Zeit im Dunkeln tappt und nicht genau weiß, worum es eigentlich geht.

Schauspielerisch authentisch und zu einem Lächeln verleitend, ist es ein vielseitiger und zum Knobeln anregender Film. Es ist also möglich, dass ihr diesen Film ganz anders wahrnehmt, als hier geschrieben. Macht euch ein eigenes Bild.

Text: Marlene Kolschewski


Dieser Film läuft in Block 2 des Wettbewerbs JUNGER FILM beim FiSH – Filmfestival im Stadthafen.

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