JUNGER FILM: jeijay
Freiheitswa(h)l

Ein fliegendes Haus, ein Liebespaar und ein Wal in einem Goldfischglas. „Jeijay“ beginnt da, wo die meisten Liebesfilme ihr Ende finden – bei einem glücklichen Pärchen in ihrem gemeinsamen Zuhause.

Sie sitzen zusammen auf der Couch und malen eine Wal auf ihr Bein, lachend erwecken sie ihn zum Leben, passend zum Waltattoo auf seinem Bein. Die ausgelassen fröhlichen Momente werden schnell ersetzt durch einsames Miteinandersein. Das Paar sitzt nebeneinander im Bett, Kopfhörer im Ohr und Bildschirme vor den Augen.

Die körperliche Entfernung scheint gar nicht weit zu sein, aber man sieht ihr an, wie alleine sie sich fühlt. Es tropft von der Decke auf ihr gemeinsames Bett. Er bemerkt es nicht einmal, während sie ihr Goldfischglas mit dem Wal unter die tropfende Stelle stellt.

Der Wal spielt eine große Rolle in diesem traumhaft animierten Liebesfilm. Er symbolisiert Freiheit und Selbstbestimmung, die im Laufe des Filmes immer mehr in den Vordergrund rutschen – durch den Freiheitswal hat sie die Wahl auf Freiheit.

„Jeijay“ wirkt auf die Zuschauenden wie ein Traum – unendlich lang mit vielen Metaphern, die das Publikum aus dem Film heraus bis ins echte Leben begleiten können, wenn man es zulässt. Es ist ein Film über Freiheit, Aufopferung und die Grausamkeit, die sie mit sich bringen kann.

Denn ihr gemeinsames Zuhause und die Beziehung, die sie zueinander haben, scheint zu zerbrechen, Stück für Stück. Ganz langsam, aber unaufhaltbar wird es schlimmer, Fliegen schwirren im Haus herum, wie die Zweifel in ihrem Kopf und auch der Wal wächst immer weiter, wie die Angst vor dem Zerbrechen ihrer Beziehung. Überall tropft es von der Decke, das Wasser steigt, es regnet immer mehr. Den Zuschauenden begleitet den ganzen Film lang die Frage, ob sie es schafft, sich von ihm zu befreien oder ob die Hoffnung größer als die Realität ist.

Die Filmemacherinnen Petra Stipetic und Maren Wiese haben einen ganz liebevoll animierten Kurzfilm mit überraschendem Ende produziert, dessen Stimmung durch die Musik von Thomas Höhl ergänzt wird. Der durch Crowdfunding finanzierte Film und dessen Ende ist geeignet für diejenigen, die gerne zum selber denken und Gedanken weiterspinnen angeregt werden und diejenigen, denen solch liebevolle Animation ans Herz geht.


Text: Finnja Lehmann

Dieser Film läuft in Block 1 des Wettbewerbs JUNGER FILM beim FiSH – Filmfestival im Stadthafen.

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