Ein Schnack mit Moritz

Corona zieht durchs Land und beeinträchtigt auch unsere Arbeit in der Redaktion. So sitzen Moritz und ich wie gewohnt im digitalen Konferenzraum – Webcam und Mikrofon vor der Nase statt einer warmen Tasse Kaffee in einem schnuckeligen Lokal. Keine unbekannte Atmosphäre, immerhin kennen wir beide es nicht mehr anders, seit unserem gemeinsamen Semesterstart in Greifswald. Aber ohne Corona hätten wir vielleicht gar nicht den Weg in die filmab!-Redaktion gefunden.

Moritz erzählt: „Ich glaube nach einer meiner Prüfungen im letzten Wintersemester war ich ein bisschen auf der Suche – irgendwas will man ja machen, in der vorlesungsfreien Zeit – selbst unter diesen Umständen. Instagram stieß mich auf ein Q&A mit Katha und Marie, zur Redaktion. Die Idee hat mich sofort überzeugt“.

Zwei Jahre hatte Moritz im Ausland verbracht, arbeitete dort mit Menschen mit Behinderung, „[…] und danach war ich in Hamburg am Theater tätig, als Regie- und teils Dramaturgieassistent“ – schließlich landete er wieder in Greifswald, wo er jetzt, mit 21 Jahren, Germanistik und Kommunikationswissenschaften studiert. Schreiben gehört für ihn natürlich dazu, umso besser wenn es dabei um gute Filme geht. „Ich schreibe ja auch Kreativtexte, durch die Mitarbeit in der Redaktion habe ich auf jeden Fall Inspiration bekommen“, wie erhofft.

Für Filme konnte Moritz sich schon immer begeistern, eines seiner Lieblingswerke ist ‚American Hustle‘ – „der ist schon sehr alt, von 2014…(lacht). Er spielt mit seinem Siebzigerjahre-Charme und den skurrilen Charakteren. Diese Stimmung fängt mich einfach ein!“ Und darauf kommt es ihm an: „Ein gelungener Film sollte mich vor Allem mitnehmen. Thematisch bin ich sehr offen, aber die Story sollte glaubhaft sein – man soll schon merken, dass die Filmschaffenden hinter ihrem Werk stehen.“

Ein Film sollte mich mitnehmen auf eine Reise, und mich fesseln.“

Mit dieser Prämisse geht Moritz auch an die Kurzfilme heran, denen wir uns bei filmab! widmen. „Das Tolle an Kurzfilmen ist, dass ich sehr genau festlegen kann, worauf ich den Fokus lenke. Ich kann ein einzelnes Thema wunderbar aufbauschen oder in kleinsten Facetten beleuchten.“ Beeindruckend sei für ihn, wie die kleinsten Momente in der Kürze der Zeit im Film an Bedeutung gewännen.

Vor allem sein Bauchgefühl entscheidet am Ende über den Film, den er rezensieren möchte: „Wichtig für den Anfang ist, dass ich direkt etwas fühle beim Zuschauen.“ Dann guckt Moritz sich das Stimmungsbild an, überlegt, welche Stilmittel zum tragen kommen, und wie die Message transportiert wird. In die Tiefe gehen, das reizt ihn.

Das FiSH-Festival ist etwas einzigartiges für Moritz. „Ich kenne viele große Festivals, die dann Blockbuster oder große Independence-Filme in den Mittelpunkt rücken. Beim FiSH geht es eher um junge Kreative. Es geht nicht um Perfektion, sondern um das Feeling.“ Und das Feeling ist ihm wichtig. „Spaß am Filmemachen, seine eigene Message rüberbringen. Auf dem FiSH zählt das Innere des Filmes viel mehr als die ganzen Äußerlichkeiten.“

Die Vielfalt der Filme macht großen Eindruck auf Moritz: „Von Klimawandel, über Flucht bis Social Media ist alles vertreten. Unglaublich, was man alles in einem Kurzfilm umsetzen kann!“ Aus dieser Fülle zieht er eigene Inspiration: „[…] Zum Beispiel bei einem Film, der sich wie ein Podcast anfühlt – da bekommt man direkt ne Idee für eine…etwas andere Rezension.“ Und auch eine eigene Produktion kann er sich zukünftig vorstellen. Die Kunstfertigkeit der diesjährigen Filme „schreckt erstmal ab“, aber trotzdem: „Ein Drehbuch schreiben, und dieses dann Umsetzen“, das findet Moritz wahnsinnig spannend.

Vielleicht fängt er ja bald an, wenn er nicht gerade zu beschäftigt ist tolle Rezensionen zu schreiben.


Moritz Schröder

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