JUNGER FILM: Raumtrenner
Augen offen beim Küssen

Der träumerisch schnelle Kurzfilm „Raumtrenner“ zeigt ein Liebesdreieck zwischen Charlie, Anton und Niko, eine gemeinsame Reise und viele selbstgedrehte Zigaretten.

Paul Hordych als Regisseur und Drehbuchautor sowie Leon Golz hinter der Kamera sorgen bei den Zuschauenden für das Gefühl, durch einen Liebesfilm mit Stolpersteinen geführt zu werden, von dem man nicht sagen kann, am Ende schlau aus den Charakteren und der Beziehung zwischen ihnen geworden zu sein.

Victor Solms als Niko, Julian Olivi als Anton und Rebecca Salz als Charlie spielen in diesem kurzen Liebes- und Neidwirbel ein Trio an Freunden, die im Sommer zusammen in ein Ferienhaus am See fahren. Das Filmpublikum wird ohne jegliche Ahnung mit auf die Reise der drei jungen Erwachsenen genommen. Wohin es geht? Ich bin mir nicht sicher, ob Niko, Anton und Charlie das selber so genau wissen.

Es ist morgens, die Stimme im Radio kämpft in der Küche mit dem Rauschen, von dem es ab und zu überdeckt wird. Niko raucht eine Zigarette zum Frühstück, Charlie isst ein Brötchen und dreht sich danach eine, die sie als Ersatz fürs weitere Frühstücken raucht. Anton schaut Charlie an, mindestens genauso in Gedanken verloren wie sie und Niko.

Sie reden kaum miteinander, aber es wirkt nicht verklemmt oder unbeholfen. Es ist ein angenehmes Schweigen zwischen ihnen, welches die Zuschauenden durch den ganzen Film begleitet.

Von diesen Szenen, in denen kaum gesprochen und nur geraucht oder einander angeschaut wird, gibt es viele in „Roomdivider“. Die Schauspielenden bringen eine gewisse Distanz in ihr Spiel, von der man sich den ganzen Film lang fragt, wovon sie ausgelöst wurde und ob die nächste Szene mehr Klarheit bringt.

Und obwohl dem Zuschauenden nicht viel Einblick in die Geschichte der drei gegeben wird, hatte ich schon schnell das Gefühl, die Blicke und Stimmungen zwischen ihnen deuten zu können. Genau dieses Spiel, das eigenständige Denken und Gedanken machen, welches durch die Machart des Kurzfilms angeregt wird, zeichnet Roomdivider für mich aus. Die bewegte Kameraführung und das grobkörnig analoge Bild löst bei mir ein Gefühl davon aus, bei diesen warmen Sommerabenden dabei zu sein. Der Film ist passend für diejenigen, die gerne die Ästhetik in Filmen wahrnehmen und in sich einfließen lassen, ohne zu sehr auf einen roten Faden in der Geschichte angewiesen zu sein.


Text: Finnja Lehmann

Dieser Film läuft in Block 1 des Wettbewerbs JUNGER FILM beim FiSH – Filmfestival im Stadthafen.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.