Taste of Cement
Sinnbild auf Fototapete

Foto: 3 Rosen/deutschfilm

Dieser Film ist allen Arbeiter*innen im Exil gewidmet und: „For my young friend Yamen. Wishing you and your generation a life without war.“

Das Kamerabild von Talal Khoury streicht haptisch über die Textur der Felswand. Die Szene löst sich von der Wand und der Blick öffnet sich Richtung Stadt. Die Häuserbebauung reicht bis zum Horizont, rechts im Bild wird die Küste mit dem Mittelmeer sichtbar. Wir sehen Beirut, Hauptstadt des Libanon. Ruinen mit Einschüssen stehen neben dreimal so hohen Neubauten. Immer wieder wechselt die Sicht, von unten schauen wir mit den aufstrebenden Stahl und Beton himmelwärts oder auf einem wachsenden Riesen stehend weit auf Stadt und Meer hinaus. Es wird Abend und die Bauarbeiter verschwinden über eine Holztreppe in den Tiefen des Kellers unter dem Rohbau. Wir werden mitgenommen und tauchen ab in die Dunkelheit.
Stellvertretend spricht Ayham Majid Agha als tiefe, sanfte Stimme aus dem Hintergrund die Erinnerungen von Arbeitern. Sie malen zusammen ein ornamenthaftes Bild, bis nicht mehr erkenntlich ist, ob es nur die Geschichte einer Person ist oder tausender.

„Wenn der Krieg beginnt, müssen sich die Bauarbeiter in ein anderes Land aufmachen, wo der Krieg gerade erst zu Ende gegangen ist. Wartend. Bis er ihr Heimatland durchzogen hat. Dann kehren sie zurück, um ihr Land wieder aufzubauen.“ – ein Vater.
Ich habe einen persönlichen Lieblingsfilm für das diesjährige Filmkunstfest: Taste of Cement. Ich bin beeindruckt, begeistert, gerührt. Es ist eine Collage, ein Meisterwerk! Die künstlerische Montage von Bild, Geräusch und Inhalt webt einen gewaltigen Teppich. Der produktive Prozess lässt Häuser und Städte im Wechsel erbauen oder zerbomben. Zwischen Kranarm und Panzerrohr entsteht ein Essay über Sinn, Sinnlichkeit und Sinnlosigkeit. Immer im Angesicht der Menschen, die erschaffen und denen der Krieg widerfährt. Der Geschmack von Zement, ist es der des Aufbaus oder des Zerfalls?

Taste of Cement hat bereits mehrere Filmfestpreise erhalten: Bester Film in Boston, USA; bester Film und Publikumspreis in Mexico; Publikumspreis auch aus Ramdam, Belgien; Zwei mal beste Dokumentation einmal in Dubai, der zweite in Croation, und gleich bei seiner Internationalen Premier bei Vision du Réel, Nyon (Schweiz) wurde er Best Feature des Internationalen Wettbewerbs.

 

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