Vakuum
Leere. Überforderte. Sehnsucht.

Foto: Dschoint Ventschr Filmproduktion

Foto: Dschoint Ventschr Filmproduktion

„Vielleicht ist das unser Problem. Dass wir alles so halten wollen, wie es mal war.“

Meredith (Barbara Auer) ist 60 Jahre alt, 35 davon glücklich verheiratet mit André (Robert Hunger-Bühler). Sie haben ein schönes gemeinsames Haus, um sich herum Natur, zwei tolle erwachsene Töchter, Enkelkinder, regelmäßig Sex, ein geregeltes Leben, eine gemeinsame Sprache, die sie sprechen. Alles scheint gut. Die Vorbereitungen für die Feier zum 35. Hochzeitstag laufen super. Unerwartet erfährt Meri, dass sie HIV-positiv ist. Sie will es nicht wahrhaben. Als möglicher Krankheitsüberträger kommt nur ihr Ehemann in Frage.

Geführt von treffender Bildsprache bekomme ich einen genauen Blick auf die Protagonistin. Die Fassaden beginnen zu bröckeln, als sie ihre Diagnose bekommt. Barbara Auer glänzt als Meredith. Ein so authentisches Schauspiel sah ich noch nicht oft. Die Wandlung, die sie sowohl äußerlich als auch innerlich im Laufe des Spielfilms durchlebt ist fesselnd und aufschlussreich. Ich leide mit ihr, kann ihre Unfähigkeit sich auszudrücken so gut nachempfinden.

Dialoge werden nur gezielt eingesetzt. Wenn Blicke alles sagen, braucht man keine Worte mehr.
Die Geräusche (gestaltet durch Oscar van Hoogevest und Julien Naudien) sind das treibende Mittel – sie führen von Szene zu Szene, schaffen die benötigte Stimmung, wirken nie zu viel aber manchmal unerträglich, was aber die entsprechenden Situationen nur unterstreicht.
Der Filmtitel Vakuum könnte nicht treffender gewählt sein. „Gelähmt“ oder „Überfordert“ hätte es vielleicht auch getroffen, klingt aber längst nicht so stark.
Geschickt spielt die Kamera mit Licht und Dunkel oder plötzlichen fröhlichen Farben als für einen Moment alles gut ist. Aber auch Nacktheit, Stille, Tränen berühren mich, lassen mich mitfühlen und nachdenken.
Regisseurin Christine Repond schafft mit Vakuum ein Kunstwerk von 85 Minuten, welches nicht nur eine vom Leben betäubte Frau porträtiert, sondern auch die dazugehörige Beziehung wunderschön umreißt, Sexualität laut thematisiert und durch eine starke Perspektive beeindruckt.

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