In den Gängen
Großmarktpoesie

Foto: Peter Matjasko

„Ich fuhr nach Hause und wartete. Wartete, dass unser Großmarkt wieder aufmacht.“

Christian (Franz Rogowski) hat einen neuen Job. Er wird eingearbeitet in der Getränkeabteilung eines Großmarktes. Bier-, Wasser-, Saftkästen von der Palette ins Regal zu räumen gehört nun zu seinen Haupttätigkeiten. Bruno (Peter Kurth) unterzieht ihn gleich ersten Tests, weist ihn in die Großmarkt-Regeln ein und unterrichtet ihn im Gabelstaplerfahren. Er nimmt ihn nach und nach wie alle anderen in die Familie auf, die das Personal der Nachtschicht füreinander darstellt. Dem schweigsamen Christian begegnet nun auch Marion (Sandra Hüller) aus der Süßwarenabteilung. Die beiden werfen sich durch die Regale tiefe Blicke zu, trinken Kaffee zusammen; immer unter der Beobachtung der mitfiebernden Kolleg*innen.
„Dieser Film umarmt sein Publikum.“, schreibt programmkino.de. „Das hat geradezu poetische Kraft“, die Berliner Morgenpost. Diesen und vielen weiteren beeindruckten Stimmen aus der Presse möchte ich mich anschließen. In den Gängen bewegt mich, weil er mich an Situationen und Menschen aus meinem eigenen Leben erinnert. Weil es fast nicht möglich ist, näher an die Substanz zu kommen, als eben auf diese stille, gewitzte und unfassbar liebevolle Art und Weise.
Das Gesicht Rogowskis spricht trotz großer Zurückhaltung Bände. Seine Augen versprühen die pure Liebe. Studenten-Oscarpreisträger Thomas Stuber inszeniert Clemens Meyers Kurzgeschichte voller Gefühl und Poesie. Der Schauplatz Großmarkt ist dafür sowohl wie geschaffen als auch an Skurrilität und Eigenheit kaum zu übertreffen, was auch der Ton und die Musik nahezu choreografisch untermalen.
Ich freue mich riesig, dass ich ab dem 24. Mai 2018 ins Kino gehen kann, um diesen gelungenen deutschen Spielfilm noch einmal mitzuerleben. Und um mich umarmt zu fühlen, wenn ich mal die Poesie in meinem Leben ein bisschen vermisse.

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