Lasst die Alten sterben
Gestern war alles besser

Foto: Lomotion AG

„Es ist alles erlaubt, alles ist möglich. Aber genau das gibt mir das Gefühl eingesperrt zu sein.“

Bei dem Versuch aus diesem Gefängnis auszubrechen und der verzweifelten Suche nach Sinn, übertritt Protagonist Kevin unbewusst immer mehr Grenzen und entfernt sich so, beherrscht von seiner Wut, weiter und weiter von seinem Ziel.

Zu Beginn lernen wir Kevin kennen, als er noch Kevin war – ein ganz gewönlicher Junge in einer gewöhnlich sinnbefreiten Welt.

Als er jedoch seine aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten verordneten Medikamente selbstständig absetzt, beginnt für ihn und die Zuschauer*innen eine Suche – nach einem Weg aus der Bedeutungslosigkeit, nach etwas, wofür es sich lohnt zu kämpfen. Gemeinsam mit seinem besten Freund Manu gründet er eine Punkkommune, demonstriert – fast scheint es, als habe er tatsächlich den Ausbruch geschafft. Doch auch in seinem neuen Leben holen ihn die alten Probleme wieder ein, als sein Vater plötzlich vor der Tür steht.

Lasst die Alten sterben erzählt gleichsam eine Familiengeschichte und eine Geschichte von Einsamkeit. Nebenbei wird ein authentisches Porträt einer Zeit gezeichnet, in der die Suche nach einem Grund zum Kämpfen viel schwerer ist, als der eigentliche Kampf.

Regisseur Juri Steinhardts Film ist eine satirisch angehauchte Gesellschaftskritik. Viele Szenen wirken hart und beinahe schockierend, ebenso aber auch berührend. Der gekonnte Wechsel zwischen Farbaufnahmen und Schwarz-Weiß verstärkt diesen Eindruck. Ähnlich sorgsam ist auch die Musik gewählt, die zu großen Teilen von Schweizer Punkrockbands der 1980er Jahre stammt. Die Protagonist*innen sprechen Schweizerdeutsch, Untertitel helfen beim Verstehen der Texte.

Mit dem Thema des Spielfilms können sich vermutlich vorrangig junge Menschen ab 16 identifizieren; für jüngere ist er aufgrund einiger moralisch hart an der Grenze angesiedelter Szenen nur bedingt geeignet.

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