Nadryw
Als Thälmann ertrank

Foto: Filmakademie Baden-Württemberg GmbH (Produktion), Dominik Moos (Kamera)

In wunderschönen Farben begrüßt uns Juris Welt: ein Dorf an der Ostseeküste, stellvertretend für viele andere. Eben noch ein Teil der DDR gehört es nun zu „Bundesdeutschland“ – und nicht nur der Name des Staates hat sich geändert.

Der zehnjährige Protagonist ging bisher vollkommen in seinem Dasein als Jungpionier auf und muss nun zur bitteren Erkenntnis kommen, dass es die Pioniere nicht mehr gibt. Doch nicht nur das: Juris Mutter betrügt ganz offensichtlich seinen Vater, noch dazu mit einem „Wessi“ – ganz klar, dass er sich zum Handeln gezwungen sieht.

Gemeinsam mit dem resignierten Ex-Pionierleiter Herrn Krupp ersinnt der Zehnjährige Pläne zur Wiederherstellung gewohnter Verhältnisse – und zum Erlangen des ersehnten roten Pioniertuchs. Den beiden dabei zuzuschauen macht Spaß, auch wenn die Handlung insgesamt sehr unrealistisch ist.

Nadryw ist ein studentisches Projekt der Filmakademie Baden-Württemberg, das zum Teil durch Crowdfunding finanziert wurde. Auf der zugehörigen Internetseite beschreiben die Produzent*innen es als ihr Hauptziel, ein vielfältigeres Bild der DDR zu vermitteln, als gemeinhin in den Medien propagiert wird. Möglicherweise hat sich diese Intention während der Dreharbeiten geändert, denn mir persönlich erscheint das gezeichnete Bild nicht sonderlich vielfältig. Sicherlich sind die Szenen seiner kindlichen Hingabe zum Sozialismus amüsant, doch in einigen Fällen wirkt die Skurrilität überspitzt und geht fast ins alberne über; so beispielsweise in Bezug auf das Familiendrama, das sich parallel zur Haupthandlung abspielt. Es fehlt der Bezug zur Realität, wenn Juri seiner Mutter beim Knutschen mit einem Fremden zusieht und trotzdem vorrangig nichts als sein rotes Halstuch im Kopf hat.

Nadryw ist ein Film mit schönen Bildern, an anderer Stelle aber nicht so überzeugend.

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