Mikro & Sprit
Ausreißen mit Haus im Gepäck

Mikro ist ein Außenseiter an seiner Schule. Als der neue Schüler Sprit in die Klasse kommt, findet er in ihm seinen besten Freund. Dieses Ereignis bildet den Ausgangspunkt für den Bau eines etwas anderen Autos und eine elternlose Reise nach Freundschaft, Liebe und Abenteuer quer durch Frankreich.

Foto: Studiocanal

Der in erster Linie für seine Musikvideoproduktionen bekannte Produzent Michel Gondry kreierte mit Mikro und Sprit (Microbe et Gasoline, 2015) ein charmantes, poetisches Coming-of-Age Roadmovie. Auf eine leichte, ungezwungene Art wirft es die großen Fragen des Erwachsenwerdens auf.
Ursprünglich wurde ihm diese Idee von Audrey Tautou, die in dem Film die Mutter von Mikro spielt, nahegelegt. Sie schlug ihm vor statt der Verfilmung eines Science Fiction Romans von Philip K. Dick eher eine rollenbezogene, persönliche Geschichte zu erzählen. Daraufhin soll Michel Gondry in sich gegangen sein und sich an seine Kindheit in Versailles erinnert und größtenteils von ihr inspiriert lassen haben.
Erstaunlich ist, dass sich viele Parallelen zu dem 2010 erschienenen Roman „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf, der 2016 verfilmt wurde, aufweisen lassen. Ob es sich dabei um Zufall oder Abgucken handelt, bleibt im Bereich der Spekulation. Selbst behauptet Gondry aber, dass er immer lange Haare haben wollte, weil es an seiner Schule viele Offizierssöhne gab, die immer sehr kurze Frisuren trugen. „Ich wollte nicht wie sie sein,“ sagte er und projizierte diese Tatsache auf Mikro (Ange Dargent), den Hauptprotagonisten seines Filmes.
Der von August bis Oktober 2014 in Frankreich produzierte Film wurde mit nur einer einzigen Kamera und einer sehr kleinen Crew gedreht. „Ich liebe es unter diesen Bedingungen zu arbeiten,“ erzählt Gondry.
Mikro und Sprit (Théophile Baquet) ist durch seine Einfachheit angenehm und unkompliziert zum Angucken. Seine in Deutschland durch den Roman „Tschick“ bereits bekannte Geschichte, dämpft jedoch die Spannung. Er ist trotzdem lohnenswert für all jene, die es verpasst haben in ihrer Jugend mit ihre*m besten Freund*in auszureißen. Oder der verpassten Gelegenheit nachtrauern, Tschick weder gelesen noch gesehen haben und sich einfach für die französische Version der Geschichte interessieren.

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