Fatima
Allein nur der Mond versteht

„Mama, warum sollte ich dir meine Hausaufgaben zeigen? Du könntest sie ja eh nicht lesen.“

Foto: Pyramide Productions

Wer sind diese Frauen, die den Hausputz wohlhabender Familien von 8 bis 18 Uhr verrichten? Wer ist es, der auch auf deren Kinder aufpasst, wenn die beschäftigten Eltern dringend weg müssen oder sich einen schönen Abend machen wollen? Fatima. Fatimas.

Der in Lyon, Frankreich gedrehte Film Fatima (erschienen 2015) basiert auf der Gedichtesammlung „Prière à la Lune“ („Gebete zum Mond“) der gleichnamigen Autorin.
Sie stammt aus dem Maghreb und zieht nun in Frankreich ihre beiden Kinder Nesrine (Zita Hanrot), die grade ihr Medizinstudium in Angriff genommen hat und Souad (Kenza Noah Aïche), die noch zur Schule geht, auf.
Fatima (Soria Zeroual) kam nach Frankreich ohne je die Sprache gelernt zu haben und versucht den Alltag mit den kleinen Bruchstücken, die sie kennt, zu bewältigen. Da sie nie die Gelegenheit hatte eine Ausbildung abzuschließen und die Pflichten des Lebens sie zu schnell eingeholt hatten, war sie darauf angewiesen als Putzfrau zu arbeiten.
„Am Abend kommt Fatima nach Hause und alles erwartet sie. Das Putzen, die Küche, ihre Töchter. Ein neuer Tag beginnt. Doch irgendwann schafft sie es einfach nicht mehr.“
Der Regisseur Philippe Faucon zeichnet ein kluges und einfühlsames Portrait einer Frau, die nicht nur ihr eigenes Gesicht trägt, sondern auch das all jener Frauen, die ihr Land verlassen haben, um woanders eine Heimat zu finden und in ihr nie wirklich angekommen sind.
Eines, wo sie auf Grund der Sprachbarriere isoliert werden und selbst von ihren eigenen Kindern, für die sie sich liebevoll aufopfern, kein Verständnis für ihre Situation erwarten können. „Wie willst du mit deinen Eltern reden, wenn du ihre Sprache nicht kennst?,“ fragt Fatima in einem ihrer Gedichte. Souad und Nesrine leben in ihrer eigenen Welt. In einer Welt, die keine arabisch-, sondern eine französischsprachige ist. Und in der Wut und Unverständnis gegenüber ihrer Mutter herrscht, die scheinbar einfach nicht fähig ist, die Sprache zu lernen.
„Sei nicht wütend, denn dort wo ein Elternteil verletzt ist, gibt es ein Kind das wütend ist. Aber dieses Mal sei stolz. Sei stolz auf die Fatimas.“
Die Subtilität der Botschaft des Films, die durch Fatimas Gedichte getragen wird, schafft eine herzbewegende Atmosphäre aus Traurigkeit, Verständnis und Sentimentalität. Sie bringt die sehr aktuelle und wichtige Thematik der Zugezogenen auf den Punkt und gibt den Frauen, die oft im Stillen und Unscheinbaren agieren eine Stimme und ein Gesicht.

Es ist ein intimer Einblick in das Leben einer Frau, der wir täglich begegnen, die sich jedoch oft nur vollends in stummen Gebeten zum Mond ihres ganzen Schmerzes und Kummers, den sie in ihrem Herzen trägt, entledigen kann.

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