Paradise Trips
(Super) Mario und die Pilze

Streit und dunkle Wolken statt Trips und Erleuchtung im Paradies

Paradise Trips
Foto: Caviar Verleih


Was ich recherchiere: das Stichwort „Paradise Trips“ im Katalog des Filmkunstfestes oder in der Onlinepräsenz des Spielfilmes. Was ich erwarte: einen unbeschwert-feuchtfröhlichen Streifen über einen pensionierten Busfahrer auf einem spontanen und erleuchtenden (Acid-)Trip. Was ich bekomme: einen fast durchgängig grummeligen Greis zwischen vielen schönen Menschen, zwar festgehalten in schönen Bildern, aber einem langatmigem Plot.
Mario Dockers (Gene Bervoets) trägt einen buschigen Schnauzbart zu seiner ausgewachsenen Halbglatze, dazu ein kurzärmliges Hemd mit Krawatte – zwei gewagte Kombinationen. Während er im Vorgarten den metallisch-glänzenden Bus mit der Aufschrift „Paradise Trips“ reinigt, bereitet seine Frau Linda Pommes, Steaks und Mayonnaise zu. Die wortkarge Stimmung während des Essens wird durch ein Telefonklingeln unterbrochen, woraufhin Mario seinem vielleicht letzten Jobangebot zusagt. Er fährt mit seinem Bus eine Horde von Hippies nach Kroatien, wo diese ihrem exhibitionistischem Hedonismus frönen. Unverhoffte Begegnungen und Ereignisse werden Mario zu einem Sinneswandel bringen.
Raf Reyntjens „Paradise Trips“ besticht durch sphärische Kameraeinstellungen von sehr ästhetischen Momentaufnahmen. Nicht nur Liebhabern der elektronischen Tanzmusik wird der Soundtrack zusagen, denn zwischen den ganzen Ratatam-Ratatam-Utz-Utz-Utz-Sounds haben sich diverse Akustik-Perlen versteckt. Was dabei leider auf der Strecke bleibt, ist ein zielgerichteter Handlungsstrang. Der größte Teil des Filmes besteht aus kurzen Streitsequenzen, die leider weder zielführend, noch informativ oder interessant sind. Schade, denn die Kulisse des modernen Woodstocks hatte so einiges zu bieten.

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