Verstehen Sie die Béliers?
Schweigen und Gold

„Ich bin also mein Leben lang dazu verdammt, Käse zu verkaufen, weil ich nicht das Glück habe, gehörlos zu sein?“

cinefete
Foto: Concorde Filmverleih

Paula (Louane Emera) führt kein „normales“ Teenagerleben. In der Schule ist sie schüchtern und macht sich klein. Im Kontrast dazu regelt sie selbstbewusst und eigenständig den Bauernhofalltag, da ihre restliche Familie ist gehörlos ist. Täglich muss sie übersetzen, ob auf dem Markt, beim Fernsehen oder bei der Bürgermeisterkandidatur ihres Vaters. Als ihr Schwarm Gabriele (Ilian Bergala) in den Schulchor eintritt, macht sie auch mit. Der Chorleiter (Éric Elmosnino) entdeckt ihr Gesangstalent und sie ihre Liebe zur Musik. Schon bald planen sie Paulas Aufnahmeprüfung zum Gesangsstudium in Paris. Nun steht sie vor der Entscheidung – Leidenschaft oder Familie?

Aber… kenne ich die Story nicht irgendwo her? Ja genau, der 1996 erschienene Film „Jenseits der Stille“ hat bis auf leichte Abwandlungen die gleiche Handlung. Jenen zähle ich zu meinen Lieblingsfilmen, der die Messlatte sehr hoch gelegt hat.
Es wird deutlich, dass Sängerin Louane Emera in „Verstehen Sie die Béliers?“ ihr Filmdebüt gibt. Ihre Schüchternheit ist unecht und ihre Körpersprache aufgesetzt. Mir fehlen Emotionen in ihrem Gesicht oder ihrer Ausstrahlung. Im Gegensatz dazu merkt man Éric Elmosnino seine Erfahrung an, er überzeugt als leidenschaftlicher Musiker und gewinnt dadurch Sympathiepunkte.
Der Anfang der Familienkomödie ist liebevoll durch klare Geräusche inszeniert. Teller knallen auf den Tisch, in der Spüle klappert es. Liebevoll sind auch die familiären Beziehungen, aber ebenfalls meist aufgesetzt. Dennoch habe ich herzlich gelacht, mich durch die Unübersichtlichkeit der Handlungsstränge zeitweise gelangweilt und am Ende sogar geweint. Ein großes Plus geht nämlich an die Musik. Französische Chansons von Michel Sardou begleiten den Film, haben bewegende Texte und mich total mitgenommen. Besonders das letzte Stück „Je vole“ habe ich zu meiner Playlist von Lieblingsliedern hinzugefügt.

Artikel von Lore Bellmann

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