Verliebt, verlobt, verloren
Botenstoff

Wenn Regierungen entscheiden, ob Kinder ihre Väter kennenlernen dürfen.

Dokumentarfilm: Verliebt, verlobt, verloren.
Filmstill: Kundschafter Filmproduktion GmbH

Eine junge Liebe – sie beginnt in der Uni, auf der Faschingsfeier oder an anderen Orten der DDR. Man träumt und schmiedet gemeinsame Pläne. Es wird geheiratet, man bekommt Kinder. Doch dann kommt das Diplom und mit ihm das schmerzhafte Lebwohl, für die meisten von ihnen sogar ein Nimmerwiedersehen. Die Männer, die nach acht Jahren wieder gingen, kamen aus sozialistischen Bruderstaaten. Das vom Krieg gebeutelte Nordkorea bildete seine Fach- und Führungskräfte unter anderem in Leipzig, Dresden oder Jena aus. Doch auf die menschlichen Kapitalanlagen dürfen Zinsen in Form von Frau und Kind nicht folgen.

VERLIEBT, VERLOBT, VERLOREN erzählt von jenen Frauen und ihren Kindern. Auch sie sind Opfer des Kalten Krieges, ihre Biografien sind nahezu unbekannt und umso faszinierender. Sung-Hyung Cho gelingt mit ihrem 93-minütigen Dokumentarfilm eine hervorragende Mischung aus direkten Interviewszenen, einer persönlichen Spurensuche in Form eines Nordkorea-Reiseberichtes und animierten Rückblenden. Hierbei gelingt es ihr, politische Hintergründe interessant aufzuarbeiten und gleichzeitig tiefste Emotionen einzufangen. Thomas Schneider stellt durch seine angenehme Kameraführung eine unaufdringliche Nähe her, die berührt.

Dass internationale Beziehungen schon immer zwischenmenschliche Beziehungen beeinflusst haben, ist gerade in einem Staat wie Deutschland noch heute von starker Präsenz. Desto vielseitiger die Geschichten und beteiligten Protagonisten werden, umso mehr stellt sich die Frage, mit welchem Recht man Menschen die Mündigkeit abnimmt, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Während des Schauens wirft der Film noch weitere Fragen auf: Wie geht der Einzelne mit Trennung und Schmerz um? Wer recherchiert, wer will nur vergessen? Wie wurden die Kinder durch ihre Väter geprägt, obwohl diese fehlten? Niemand kann diese verlorenen Momente der Gemeinsamkeit zurückholen, doch der Verein deutsch-koreanischer Familien hat mit seinem Zusammenschluss einen Weg gefunden, damit umzugehen.

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