Interview mit Stereo Total
„Willst du etwa, dass wir wieder einen Krieg haben?“

Nach der gelungenen Eröffnungsveranstaltung gehen wir noch auf ein Interview mit Stereo Total in den Backstagebereich und stoßen auf den 51. Geburtstag von Françoise Cactus an. Sie muss noch fix auf Toilette, also starten wir mit Brezel Göring.

Eröffnungsveranstaltung filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern 2015
Foto: Mandy Jochmann

Brezel, seid ihr das erste Mal in Schwerin?
Brezel: Wir sind exakt zum ersten Mal hier. Wir sind überhaupt noch nicht hier gewesen. Selbst noch nicht mal in der weiteren Umgebung.

Was ist so der nächste Ort, wo ihr mal gespielt habt?
Brezel: So nördlich von Berlin wird es schon sehr dünn. Geografisch am nächsten sind dann – das ist dann allerdings wieder Westen – Städte wie Hamburg und Lübeck. Wir haben eher im Süden gespielt. So Leipzig, Halle. Diese ganzen Städte haben wir oft und häufig besucht. Hier waren wir noch nicht. Keine Ahnung, warum.

Seid ihr auch schon international getourt?
Brezel: Es gab immer Möglichkeiten, im Ausland zu spielen. Reisen macht Spaß. Teilweise haben wir versucht, das zu steuern. So haben wir also ein Lied extra auf japanisch aufgenommen und dachten, es wäre gut, mal in Japan zu spielen. Und dann ist es auch genau so aufgegangen. Wir waren dann versessen darauf, irgendwo hinzufahren, also nach Schweden oder Finnland. Obwohl wir nicht in der Landessprache gesungen haben. Die Leute haben einfach eine Verbindung dazu bekommen. So haben wir eine Zeit lang fast immer im Ausland gespielt und ganz viele, winzige Platten veröffentlicht.

Eröffnungsveranstaltung filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern 2015
Foto: Mandy Jochmann

„Deutsche sollten keine Komödien machen.“

Françoise kommt wieder. Sie berichtet, dass draußen Leute warten und CDs kaufen wollen. Brezel geht und wir führen das Interview mit der Sängerin fort.

Wir haben gerade darüber geredet, dass ihr sehr international unterwegs seid. Heute habt zum ersten Mal in Schwerin und in Mecklenburg-Vorpommern gespielt. Habt ihr euch ein bisschen die Stadt angesehen?
Françoise: Also ich hab auf der Hinfahrt nichts gesehen, da ich immer Brezel sagen musste, wo er langfahren muss. Aber am Mittwoch wollen wir uns das alles ein bisschen angucken, bevor wir losfahren.

Vielleicht schafft ihr es ja, noch etwas vom Filmkunstfest mitzubekommen. Was war der letzte Film, den du gesehen hast?
Françoise: Also im Kino, hmm… (denkt lange nach) Ich habe diesen Film von diesem jungen kanadischen Regisseur gesehen. Xavier Dolan heißt der. Ein richtiges Genie, wie ich finde. Ich war mit Freunden da, die den Film total scheiße fanden und die ganze Zeit gelästert haben. Aber ich fand den gut.

Was schaust du dir sonst gerne für Filme an?
Françoise: Ich gucke gerne alte Filme. Zum Beispiel habe ich letztens eine Film-Noir-Retrospektive gesehen. Und ich habe auch Streifen von Regisseuren geschaut, die in der Nazi-Zeit wegen ihrer Religion oder weil man sie hier nicht haben wollte fliehen mussten. Später haben sie Hollywoodfilme gemacht. Solche alten Filme guck ich mir an. Zurzeit mag ich besonders Filme von Henri-Georges Clouzot. Ein sehr bizarrer Filmemacher. Altmodisch und stockfranzösisch. Oder Filme mit Michel Piccoli oder Romy Schneider, die mag ich sehr gern.

Magst du lieber französische oder deutsche Filme?
Françoise: Oh Gott. Willst du etwa, dass wir wieder einen Krieg haben? (lacht herzlich) Ehrlich gesagt: die französischen. Ich bin auch ein großer Fan von Fassbinder. Deutschland hatte die besten Filmemacher, so Typen wie Ernst Lubitsch. Aber die wurden alle rausgeekelt. Das ist sehr traurig. In Frankreich mag ich ganz gern François Ozon, einen talentierten Regisseur. Sein letzter Film ist nicht super. Aber sonst macht er eigentlich ganz gute Sachen. Es gibt schon eine neue Generation von jungen Filmemachern. In Deutschland sind die schon sehr underground. Man muss sich gut auskennen. Außerdem finde ich zum Beispiel deutsche Komödien schwierig. Deutsche sollten keine Komödien machen. Die sind nicht lustig.

Vielen Dank für das spontane Interview!

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