Glutnester
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„Glutnester – das sind Brandherde, die jederzeit aufflammen und sich zu einem Großbrand ausweiten können. Häufig treten sie auf, wenn der Regen bereits längere Zeit ausgeblieben ist.“

Kinder- und Jugendfilm: Glutnester
Foto: Katja Sambeth

 

Jenny (Jorinde Lea Miller) ist 15 Jahre alt. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters zieht sie mit ihrer depressiven Mutter von Frankfurt am Main zurück zu den Großeltern. Im Greifswalder Stadtteil Schönwalde II findet sie sich im typischen Wohngebiet des Ostens wieder: Plattenbauten, wenig Grünflächen, die Stammkneipe und der Supermarkt um die Ecke. Als das nahe gelegene Kernkraftwerk Lubmin 1992 vom Netz ging, wurden hier fast alle Anwohner schlagartig arbeitslos. Jenny will sofort wieder weg, rebelliert und geht nicht mehr zur Schule. Stattdessen freundet sie sich mit den Jugendlichen des Viertels an. Besonders mit dem 11-jährigen Joey (Dominik Görlach). Gemeinsam geben sie sich inmitten ihrer Probleme Halt.

Mit ihrem Abschlussfilm wandert Regisseurin Katja Sambeth auf einem schmalen Grad zwischen der Realität eines sozial schwachen Milieus und den damit einhergehenden Klischees. „Was soll ich in der Schule?“, brüllt ein Jugendlicher in einer Szene und ist sich sicher: „Ich bekomme doch eh Hartz IV!“ Sambeth konfrontiert das Publikum mit der erschreckenden Perspektivlosigkeit, der sich junge Menschen heute häufig gegenübersehen, nicht nur in Schönwalde II. Sie müssen Entscheidungen treffen, finden keine Vorbilder und bleiben letztlich alleine mit ihren Problemen. Die Mutter säuft, der Stiefvater schlägt, die Großeltern sind überfordert. Kleine Glutnester, die unbeobachtet und unbeachtet schnell zu einem Großbrand werden können.

Auch wenn der Spielfilm zum Ende erzählerisch schwankt, ist jeder Sekunde anzumerken, mit wie viel Herz hier gedreht wurde. Ohne Förderungen arbeitete die Regisseurin mit ihrem 15-köpfigen Team fünf Wochen lang vor Ort. Das Budget war knapp. Um den Film überhaupt fertigzustellen, wurde ein Crowdfunding-Projekt ins Leben gerufen. Die schönste Unterstützung erfuhren sie jedoch von den Greifswalder Anwohnern, die teilweise selbst vor der Kamera stehen. Hervorzuheben ist auch das Filmdebüt der Hauptdarstellerin Jorinde Lea Miller, die den Zuschauer sofort in seinen Bann zieht und nicht mehr loslässt.

Beim Filmkunstfest feiert GLUTNESTER Uraufführung.

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