Ein Endspiel
Fußball vs. Selbstverwirklichung

„… ich weiß nur, dass ich dich mit dabei haben will. Weil ich gemerkt hab‘, dass du ein Teil von mir bist, dass sich unsere Leben überschneiden. Das hab‘ ich gespürt.“ – „Scheiße!“

Foto: Hidden Hitchcock GbR
Foto: Hidden Hitchcock GbR

Normalerweise wird das Drehbuch geschrieben, bevor der Film gedreht wird. Aufwendig werden Dialoge verfasst und Kameraeinstellungen geplant. Regisseurin Lilli Thalgott braucht das alles nicht. Für den Film EIN ENDSPIEL gab sie den Schauspielern einzig und allein eine genaue Beschreibung der zu spielenden Rollen und ihrer Ausgangssituation: Die Physiotherapeutin Johanna (Kirsten Sprick) und ihr Freund Boris (Frank Thomé) wollen zwei Wochen in Neuseeland Urlaub machen. Zuvor fährt sie aber für zehn Tage auf ein Seminar und kommt mit dem Wunsch zurück, in eine alternative Lebensgemeinschaft in der Schweiz zu ziehen. Sie konfrontiert Boris mit ihrem Entschluss im denkbar ungünstigsten Moment: während des Finales der Fußball-WM. Ausgerechnet jetzt ist auch sein Kumpel Sebastian (Thorsten Neelmeyer) zu Besuch, der eigentlich echt nur Fußball gucken will, und Johannas Freundin Silvia (Mignon Remé) wünscht sich, dass ihr Rücken wieder eingerenkt wird. Um das Chaos zu vervollständigen, wollen die Agrarwissenschaftler Thies (Rolf Claussen) und John (Steffen Lau) aus der Kommune mit Johanna praktisch sofort losfahren. Streit scheint vorprogrammiert.

Die Spontaneität, durch welche der Film lebt, ist durch das Schauspielerensemble „Hidden Shakespeare“ grandios in Szene gesetzt worden. Gleichzeitig führt diese Sprunghaftigkeit dazu, dass die Kameraführung zu wünschen übrig lässt. Witz und Frische der Komödie lassen aber locker darüber hinwegsehen. Nun könnte man sich fragen, wie ein Film ohne Drehbuch funktionieren kann. Wie wird das Ziel aussehen, wenn der Weg dahin nicht klar ist? Wie soll das authentisch wirken, wenn die Schauspieler nicht wissen, wann sie was sagen sollen? Es funktioniert großartig und wirkt realistischer, als es mit Drehbuch je hätte werden können.

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