Warnung: Nach diesem Film fühlen Sie sich nicht gut. Ein Unbehagen wird Sie überkommen. Aber vielleicht ist es ja gerade deswegen ein wirklich guter Film?

Spielfilm: Driften

Foto: Vinca Film

Scherben fliegen, ein Auto wird mutwillig in Trümmer zerlegt. Wütende Verzweiflung. Robert (Max Hubacher) fährt gerne schnell Auto. Richtig schnell. Am liebsten Autorennen. Bei 200 km/h fühlt er sich wie auf Wolken. Dieses riskante Hobby hat den jungen Schweizer schon einmal für vier Jahre hinter Gitter gebracht. Ein kleines Mädchen hatte er in den Tod gefahren. Nun ist er wieder auf freiem Fuß und möchte sich und sein Leben in den Griff bekommen – aber so richtig gelingen will ihm das nicht. Als er eine seltsame Faszination für eine Frau namens Alice (Sabine Timoteo) entwickelt, ahnt er schnell, dass mehr dahinter steckt. Die sich anbahnende Freundschaft beobachtet der Zuschauer mit zunehmender Beklommenheit. Superschnelle Fahrten, betäubende Partys und wilde Nächte münden in einem Gewirr aus bitteren Tränen und Verzweiflung.

DRIFTEN, das Erstlingswerk des Schweizer Regisseurs Karim Patwa, hat eine enorme Ausdrucksstärke. Grund dafür ist ein bestechender Cast. Max Hubacher verkörpert den jungen Adrenalinjunkie so überzeugend, dass einem regelrecht eine unwohlige Gänsehaut über den Rücken läuft. Die wahnsinnige Intensität seiner Gesichtsausdrücke durchdringt den Betrachter voll und ganz. Besonders auffallend ist die dauerhafte Präsenz seiner Figur. Es gibt nicht eine Szene, in der er keine Rolle spielt. Da ihm so viel Raum gelassen wird, kommt es zu einer seltsamen Empathie und zu Verständnis für den eigentlichen Täter. Dabei sorgen spannungsreiche Nahaufnahmen im flotten Wechsel mit Weitwinkel-Einstellungen für eine enorme Dynamik. Durch das beschleichend unangenehme Gefühl wird DRIFTEN nicht so schnell loslassen. Auch das spricht für die besondere Kraft der vielfach preisgekrönten Inszenierung.