Bande de filles (Mädchengang)
“Du musst das tun, was du willst.”

Was hält einen auf, zu tun was man will, wenn sowieso niemand an einen glaubt?

Länderschwerpunkt Frankreich: Bande des Filles
Foto: Peripher Filmverleih

Es heißt, wir müssen Kindern aus den sozial schwachen Vierteln eine Chance geben, sie integrieren. Wir reden von Konfliktbezirken und meinen häufig ihre männlichen Bewohner. Selten werden die Kämpfe der Mädchen so wie in BANDE DE FILLES thematisiert: Verbal, physisch, ein Kampf mit eigenen Erwartungen und denen der Anderen.

Marieme (Karidja Touré) duckt sich vor ihrem großen Bruder, umsorgt ihre kleineren Geschwister und wird es nicht schaffen, auf die weiterführende Schule zu kommen. Als sie Lady, Adiatou und Fily kennenlernt, tritt sie zum ersten Mal aus der Deckung. Marieme wird zu „Vic“ wie Victory. Sie ist fasziniert von der Gang, die keine Regeln zu kennen scheint. Wozu auch an Regeln halten, wenn die Gesellschaft, die Regeln vorgibt, einen eh aufgegeben hat?

Das Viertel hat die Mädchen gelehrt, sich selbst zu Prinzessinnen zu ernennen, ihr Schloss aus einzelnen unbeschwerten Momenten zu erbauen, bevor die Realität es wieder einreißt. Es gilt, seine Ehre und seinen Stolz zu verteidigen, wo das System sie einem aberkannt hat.

Das Spiel mit weiblichen Reizen und dem rauen Ton der Straße wirkt in keiner Szene gestellt, jede Figur authentisch. Ihre Art sich zu bewegen, zu kleiden, auszudrücken und zu unterstützen lässt den Zuschauer dichter an diese Jugendlichen heranrücken. Die Situationen mögen an mancher Stelle vorhersehbar sein, werden aber keinesfalls klischeehaft inszeniert. Oft wählt Céline Sciamma hier eine aus Filmen eher ungewohnt lange Stille zwischen ihre Figuren, wodurch zusätzliche Authentizität erzeugt wird.
Tanzszenen in knappen Outfits spiegeln das Lebenstemperament dieser Mädchen wider, fokussieren ihr Lachen statt sie zu sexuellen Objekten zu machen. Der Film zeigt neben einem Strudel aus Gewalt vor allem eine tiefe Verbundenheit, die Freundinnen zu Schwestern werden lässt.

Vic wird portraitiert als eine Hauptfigur, die bis zum Schluss nicht alles von sich preisgibt, scheu und schwer zu fassen bleibt. Was man aus ihr am Ende lesen kann, ist, dass das Leben ein Kampf bleibt, den es sich jedoch zu kämpfen lohnt.

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