Backpack
Travel the world and fail

„Es ist halt so auf Reisen: Man lernt sich kennen, verbringt ein bisschen Zeit miteinander und dann geht man wieder auseinander.”

Kinder- und Jugendfilme: Backpack
Foto: Thorsten Wenning

Wer die Schule oder die Uni verlässt, der geht oft weg. Weg aus Deutschland, ab nach Südostasien – da ist das Reisen billig, das Wetter gut und die Freiheit nah. Daniel (Sebastian Urzendowsky) will nicht mehr Lehrer werden, hat sein Studium abgebrochenen, ist jetzt neugierig auf die Welt. Was alleine reisen bedeutet und wie qualvoll lang der Weg zur angeblichen Selbstfindung werden kann, wird ihm bei seiner Ankunft in Jakarta schlagartig bewusst. Doch in der plötzlichen Nähe zu Clara (Henrike von Kuick) glaubt er, seine Liebe gefunden zu haben.

BACKPACK von Thorsten Wenning nimmt uns die Illusionen, die unsere Instagram- und Facebook-Freunde über Jahre des Traveling-Fiebers mühsam in uns aufgebaut haben. Keine Urlaubsidylle – stattdessen bedrückende Einsamkeit und ein Soundtrack, der von Anfang an das Unbehagen untermalt. Wenn auch typische Reiseängste wie der Diebstahl oder Verlust des überlebenswichtigen Backpacks ausgespielt werden, so verzichtet Wenning zumindest auf noch klischeehaftere Szenarien wie Organhandel oder Gefängniszellen.

Erfahrenen Backpackern werden viele Aufnahmen bekannt vorkommen: volle Straßen mit tausenden Tuk-Tuk-Fahrern, Orte traditioneller Riten, Dschungel-Szenen, das Abwaschen des Schweißes nach einem langen Tag in den Gassen der Stadt, exotische Tiere und der Kontakt mit anderen Travelern. Leider ist dieser Blick eines Neugierigen, dem die Ferne statt Abenteuer Einsamkeit beschert, insgesamt zu langatmig geraten.
Ob die Verortung von BACKPACK in der Kategorie Kinder- und Jugendfilm passend ist, scheint fragwürdig. Der Trend von Weltenbummelei und Selbstfindung in der Ferne beginnt zwar im Jugendalter, mag aber bezeichnender für das Erwachsenenalter sein.
Der Film wirkt nicht verblendend oder beschönigend und lässt sich auf beliebig viele Reiseziele Südostasiens übertragen. Offen bleibt jedoch die Frage, inwieweit er es schafft, Erlebnisse und Gefühle eines Reisenden zu vermitteln, wenn der Zuschauer bisher kaum Berührungspunkte mit dem Fremdsein hatte.

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