Anderst schön
Roger klaut Schlüpfer (Ein einziges Mal! Aus Versehen!)

„Es war einmal ein Hausmeister, der lebte in einem prächtigen Schloss in unermesslichen Reichtum. Naja, das stimmt jetzt nicht so richtig. Das mit dem Hausmeister stimmt.“

gedreht in MV: Anderst schön
Foto: © NDR Christine Schroeder

Roger (Ro-ger, nicht Rotscher) ist Hausmeister in einem Plattenbau-Block irgendwo im Nordosten, irgendwo in der Nähe vom Meer. Täglich überstreicht er die Hakenkreuze im Hausflur, räumt seiner alkoholkranken Mutter hinterher, geht mit dem Hund des Nachbarn Gassi. Eigentlich läuft alles ganz gut, wären da nicht die Baggerfahrer, die nach und nach die Häuser in der Umgebung dem Erdboden gleichmachen. Rogers Block wollen sie auch noch abreißen.

Viel schlimmer jedoch: Roger ist einsam. Manchmal kann er das nicht so ganz zugeben und sagt: „Wenn die ganze Welt leer wäre, hätte ich immer noch mich. Und ich komm ganz gut mit mir aus.“ Manchmal sagt Roger aber auch, dass es nicht so einfach ist für ihn mit den Frauen. Er weiß nicht, wie man das macht.
Gegen die Bagger unternehmen die Bewohner des Hauses etwas. Nur die Sache mit den Frauen gestaltet sich noch etwas schwierig. Ellen zieht mit ihrer Tochter in den Block, doch Roger befürchtet: „Die sieht mich doch gar nicht als Mann.“ Auch Mutti hat irgendwie was dagegen. Also antwortet Roger auf eine Anzeige, die individuelle SMS-Kontakte verspricht. Schließlich will er nur reden – gegen die Einsamkeit.

Der in Schwerin und Hamburg gedrehte Film endet so oder so ähnlich, wie man sich das eigentlich schon von Beginn an denken kann. Zwischen Anfang und Ende wird die Geschichte der Bewohner aber so amüsant erzählt und die Handlung von großartigen Schauspielern getragen, dass die fast 89 Minuten gute Unterhaltung bieten.

Charly Hübner spielt den liebenswerten Hausmeister Facility Manager mit großem Herz für Mensch und Tier. Daneben glänzen noch weitere, ganz eigene Charaktere: da ist der grimmige Geigenbauer, der der DDR hinterhertrauert, der clevere Dönerverkäufer, das spirituelle Lehrerehepaar oder die lokale Jugendgang. Sie alle sorgen dafür, dass auch dem Zuschauer der Plattenbau fast wie ein prächtiges Schloss mit unermesslichem Reichtum vorkommt.

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