Zuckerbrot und Peitsche
[gedreht in MV „Fallwurf Böhme“]

Die Hand, die dich füttert, solltest du nicht hauen.

Filmstill: Artia Nova
Filmstill: Artia Nova

„Reformkrise: Ich muss pro Spiel 4 bis 5 Tore schießen. Am ersten Lehrgangtag in Kreischa haben wir wunderbar und ausgiebig gefrühstückt: Ein Teller Schokoladensuppe, drei Marmeladebrötchen, ein Butterbrötchen, eine Schale Müsli, zwei Eier, zwei Steak und natürlich heiße Milch dazu. Ich bin so richtig satt. Habe gestern die Tabletten bekommen. Zehn Tage, vier Tabletten – mit der Bezeichnung Oral-Turinabol.“

Der ehemalige DDR-Handballspieler Wolfgang Böhme war ein erfolgreicher Linkshänder und verführerischer Frauenheld. Mit seiner sportlichen Fähigkeiten stieg er schnell in die Nationalmannschaft der DDR auf und war ein Star. In seinem süchtigen Rausch nach Erfolg bekam er einige Vorteile und Nachteile zu spüren. Er war beliebt, hatte Geld, gab es großzügig aus – und doch fehlte ihm das Glück in der Liebe. Der realsozialistische Staat forderte von seinen Kadersportlern, dass der sportliche Wettkampf auch ein notwendiger Kampfgegen den „Klassenfeind“ ist. Das ging auf Kosten der Gesundheit, Familie und persönlichen Freiheit. So erfuhr Böhme erst spät, dass Oral-Turinabol ein leistungssteigerndes, aber leberschädigendes Anabolikum war. Er vertraute dem Kollektiv aus Trainer, Masseuren und Medizinern, die heimlich als inoffizielle Mitarbeiter der Stasi tätig waren. Schluss, aus, vorbei: „Böhme, Wolfgang. Einer, der es aus einem Kaff in die Welt hinausschafft. Den vergisst man nicht und das lässt dich nicht los, wenn der ins Fallen kommt und keiner weiß warum.“

Die 90-minütige Dokumentation „Fallwurf Böhme – Die wundersamen Wege eines Linkshänders“ von Heinz Brinkmann ist eine persönliche Lebensgeschichte. Für den Zuschauer bietet sie eine spannende Zeitreise, die tiefe Einblicke in die verstörenden Mechanismen eines Diplomatenstaates im Trainingsanzug gibt.

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