Sie, 47, schlank, sucht…
[SF „Silvi“]

„Wat is’n Liebe? Keine Ahnung.“

Foto: Alexander Du Prel
Foto: Alexander Du Prel

Das Auto stoppt. Michael (Thorsten Merten) steigt aus, holt ein Bier aus dem Kofferraum, trinkt zwei Schlucke und sagt dann: „Ich will nicht mehr. Das ist doch ganz einfach zu verstehen.“ Silvi (Linda Wendel) hat das Ende ihrer Ehe kommen sehen, aber so ganz versteht sie es trotzdem nicht.
Die Friseurin rät zum Neuanfang und Silvi gibt eine Annonce auf. „Wer unverhofft strandet, hat wenigstens die Chance, Neuland zu entdecken.“ Sie trifft Männer und entdeckt tatsächlich allerlei Neuland: Fetisch-Sex, Drogen, heimliche Affären. Wenn Silvi dabei einiges lieber unentdeckt gelassen hätte, lässt sie es nicht gleich vermuten. Sie nimmt es still hin, was ihre neuen, ach so charmanten Männerbekanntschaften ihr vorschlagen.
Denn was Silvi wirklich sucht, ist Anschluss: bei ihren Freundinnen, bei ihrer Mutter und immer wieder bei Männern, die immer wieder nicht die richtigen zu sein scheinen. In dazwischen geschnittenen Interviewsequenzen mit der Protagonistin erkennt diese, dass ihre Ehe schon lange vor der endgültigen Trennung im Auto gescheitert war: „Ich hab das Gefühl, so als Frau, so als Mensch, bin ich ganz schön auf der Strecke geblieben.“

Oft hat man Mitleid mit der Protagonistin, wie sie wieder und wieder an die – für sie – verkehrten Männer gerät. „Eigentlich braucht man immer jemanden, der einen in den Arm nimmt. Wenn das keiner macht, verkümmert man. Man wird zum Einzelkämpfer.“ Alleingelassen stolpert Silvi traurig Wein trinkend von einem Unglück ins nächste. Aber liegt am Ende der Fehler eventuell bei ihr selbst?
Abwechslung für den Zuschauer bietet letztlich nur die Abfolge von peinlichem Berührtsein, Langatmigkeit einiger Szenen und Vorhersehbarkeit der Geschichte. Was sich Silvi wünscht, ist ein Kribbeln. Dem gleichnamigen Film von Regisseur Nico Sommer fehlt dieses gewisse Etwas leider.

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2 Kommentare

  1. Liebe Frau Kutzer,

    mit großem Interesse und späterer Verwunderung habe ich Ihren Text gelesen (ebenfalls in der Printausgabe) und gestern war ich dann doch überrascht, ob der Qualität des Films.

    Schade, dass Sie den Film so vorhersehbar finden, offenbar sah es das Publikum gestern – im fast ausverkauften Saal – anders. Gemeinsam mit einem Freund hatte ich großen Spaß, wie offenbar auch die meisten Zuschauer in der Vorführung. Wir jedenfalls haben viel gelacht und ich wünsche dem Film weiterhin so aufgeschlossenes Publikum.

    Mit besten Grüßen,
    Birgit

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