Im Sommer touren, im Winter texten
[Interview Guaia Guaia]

Während Elias Gottstein und Luis Zielke in der Baustelle vorm Capitol ihre Technik auspacken, interviewen wir die beiden Musiker aus „Unplugged:Leben Guaia Guaia“.

Foto: Helene Timm
Foto: Helene Timm

Willkommen in Schwerin! Seid ihr gut hergekommen?
Elias: Komfortabel sind wir mit der Deutschen Bahn angereist. Auch wenn sich die Leute über unsere Fahrräder aufregen.

Ist das Kilometerfressen angenehm oder anstrengend?
Elias: Für mich ist es im Sommer richtig gut, viel zu reisen, vieles zu erleben. Unter der Bedingung, im Winter eine Möglichkeit zu haben, sich zurückzuziehen. Im Grunde genommen hat das nichts mit den Jahreszeiten zu tun, aber in Deutschland passt es gut, dass du eine schöne warme Zeit hast, in der du entspannt mal draußen schlafen kannst und viel erlebst. Danach brauchst du Zeit, wo du das verarbeiten kannst. Sonst bringt dir das auch nichts.

Also ist der Sommer zum Touren da und der Winter zum Reflektieren?
Elias: Genau. Zumindeste läuft es zurzeit ziemlich strikt getrennt.

Könnt ihr das Gefühl von Freiheit, welches im Film reflektiert wird, auch in Worte fassen?
Elias: Ich weiß nicht, ob ich das Gefühl in Worte fassen kann. Ich kann sagen, dass ich und Luis wahrscheinlich auch eine große Sehnsucht nach Freiheit haben, nach Selbstbestimmung und danach, etwas machen zu können, was wir lieben. Um uns auszuprobieren, uns nicht von irgendwelchen Grenzen stören zu lassen. Vielleicht ist es dieses Freiheitsgefühl, das im Film rüberkommt.

Was steht euch am häufigsten im Weg oder gefährdet euch darin?
Elias: Zum Teil natürlich die Ordnungshüter und alle möglichen Menschen, die dafür sorgen, dass irgendwas immer in der selben Bahn bleibt wie es immer läuft. Deren Grundlage ist die Engstirnigkeit der Menschen, die Angst, das Sicherheitsbedürfnis und der Trugschluss, dass man überall Grenzen baut und Gesetze schafft und den Menschen keine Verantwortung für sich und ihre Umwelt zutraut.
Wir haben keine Kultur des Friedens und der Freiheit. Sondern eher eine, die aus Konflikt und Autorität besteht, aus Hierarchie. Es gibt immer irgendwelche Leute, die dir sagen können, was du darfst und was nicht. Und du musst dich an alles halten. Das ist eine Sache, die uns immer wieder passiert. Wir müssen selbst aufpassen, dass wir nicht das Gefühl haben, irgendwie was Verbotenes zu machen. Denn wir tun ja nichts Verbotenes. Wir schaden keinem Menschen.

Ihr definiert also eure Freiheit über die Grenzen der Gesellschaft, die ihr vorfindet, damit ihr sie überschreiten könnt?
Luis: Ich glaube nicht, dass das die Freiheit definiert. Freiheit wird eigentlich durch ganz natürliche Sachen definiert. Ich finde, man merkt auf jeden Fall die Unfreiheit an der Grenze.
Elias: Wenn du das ein bisschen verlässt, heißt es nicht unbedingt: Du bist frei, sofort. Du hast erstmal das Gefühl, du machst was, was nicht erlaubt ist, und dabei merkst du, wie unfrei du teilweise bist. Man kann sich im Käfig frei fühlen. Wann du dich frei fühlst, das ist wahrscheinlich bei jedem Menschen anders. Die Musik ist für mich ein bisschen Flucht.

Weil in der Kunst alles erlaubt ist? Ist da der Freiraum, den man nutzen kann?
Elias: Ja. Und Sehnsüchte, um darüber zu schreiben.

Im Film tragt ihr eure Stadtstationen in eine Landkarte ein. Habt ihr die noch parat?
Elias: Ich glaube, nicht mehr. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, was aus der geworden ist. Das hat schon mit diesem Lebensstil zu tun, dass manche Sachen einfach irgendwann nicht mehr existieren. Wir haben ständig das Gefühl, viel zu viel zu besitzen. Das engt einen ein und belastet.

Muss man ja auch mitschleppen.
Elias: Genau. Gerade ohne Wohnung ist es besser, weniger Zeug zu haben. Deswegen sieht das so aus.

Habt ihr beim Leben unter freien Himmel etwas über Wolken gelernt? Zum Beispiel zu erkennen und wissen, wann man sich unterstellen sollte?
Elias: Das ist mal eine gute Frage, aber leider haben wir nix gelernt. Eigentlich überrascht uns der Regen nach wie vor.

Im Film begegnen euch Füchse. Musstet ihr euch mit noch mehr Stadttieren auseinandersetzen?
Luis: Joa, geht gerade los. Über Wildschweine haben wir etwas gelernt, als wir eine Insel in Berlin besetzen wollten. Wildschweine hatten sich dort niedergelassen, deswegen hatten wir jetzt Kontakt mit ihnen und ihren Frischlingen.
Elias: Ich habe auch große Angst vor Wildschweinen. Und gelernt haben wir, dass sich die Wildschweine doll vermehrt haben durch die Jagd. Meistens werden Leitbachen geschossen, welche die Vermehrung aber kontrollieren sollen. Wenn sie weg sind, vermehren sich die anderen stärker. Das ist das volle Chaos.

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2 Kommentare

  1. .. oder im Deutschunterricht. Aber das ist nicht mehr im Detail zu klären. Sicher hat Elias sich nicht versprochen. Deswegen wurde es natürlich korrigiert.
    Vielen Dank, dass sie am Suchspiel „Finde den Fehler“ teilgenommen haben. :)

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