Funny Fiction, Pulpy Games
[SF „DeAD“]

”DeAD” hat alles, was cool ist: Pistolen, Sadomaso, rote Autos, böse Bourgeois, eine Lolita und ein Aquarium.

Foto: Frank Linders / Skalar Film
Foto: Frank Linders / Skalar Film

Die Mutter von Patrick (Tilman Strauß) hat sich erhängt. Außer seinen rebellischen Kleidern und seinem leeren Blick zeichnet ihn nichts aus. Nun will er den finden, der an beidem Schuld ist – seinen vermeintlichen Vater. Das gelingt ihm auch: „Dad“ (Thomas Schendel) ist ein überaus böser Mensch, der seine dunklen Triebe durch S&M und das Betrachten von Fischen auslebt. Er hat eine Frau, eine Ex-Frau und mit beiden je ein Kind und sie alle prallen in Dads langweiligem, bürgerlichem Kosmos aufeinander, woraufhin es und er und sie und Patrick alle fleißig zu bröckeln anfangen.
Bei diesem Bröckeln könnte man eventuell etwas empfinden, falls diese Figuren Menschen wären. Leider sind sie aber keine Menschen, was der Regisseur durch die immer wieder äußerst subtil hineingeworfenen Tiervergleiche zu erklären versucht. Gänse, Fische, Kälber und Kühe werden in Bild und Wort an die Charaktere gekoppelt – das macht sie dann nicht langweilig, sondern „instinktgesteuert“, die Dialoge nicht schlecht, sondern „auf das Nötigste reduziert“.

Das Problem hierbei ist nicht nur, dass dies unerträglich zu beobachten ist. Sondern, wie man zunehmend gezwungen wird zu verstehen, dass Regisseur Sven Halfar überhaupt nichts erzählen will. Er will clever und unkonventionell sein. Seine vermeintliche Cleverness ist jedoch nichts weiter als eine selbstverliebte, hastige Collage aus guten, alten Bildern. Die verkleideten Eindringlinge in der heilen Bürgerwelt, die Hausgegenstände runterfallen lassen, stammen aus Michael Hanekes „Funny Games“, ihre Coolness und Humor-Gewalt-Verwischung von Tarantino. Der Rest ist ein wenig Bourgeoisie-Kritik und ein wenig Ödipus. Unter alldem verbirgt sich, wenn man gutmütig ist, die Weltsicht eines wütenden 16-Jährigen. Und wenn man es nicht ist – überhaupt nichts.
Am besten formuliert es Halfar selbst: „In erster Linie versuche ich, ein Gefühl transparent zu machen, das meinen eigenen Regeln gehorcht und keinem klaren Genre zugeordnet werden soll.“ Das ist ihm ohne Zweifel gelungen.

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