Wir schaffen das schon [SF „Was bleibt“]

Wir sehen meist nur die Fassade eines Hauses. Was im Inneren passiert, bleibt jedoch verschlossen, bis wir einen Blick durchs Schlüsselloch werfen.

Szene aus "Was bleibt"
Foto: 23/5 Filmproduktion

Eine Familie. Mutter, Vater, zwei Söhne, ein schönes Haus in einem ruhigen Ort. Doch als Marko (Lars Eidinger) an einem Wochenende mit Sohn Zowie (Egon Merten) seine Eltern besucht, gerät die Familienidylle ins Wanken. Seit vielen Jahren ist Mutter Gitte (Corinna Harfouch) depressiv. Sie wird beherrscht von einer Krankheit, die in ihrem Inneren brodelt. Niemand anders kann sie sehen oder begreifen, alle anderen befürchten oder erwarten sogar einen Ausbruch. Als sie ihren Liebsten verkündet, dass sie bereits seit zwei Monaten die verschriebenen Medikamente nicht mehr nimmt, sondern auf alternative Methoden setzt, ist die Angst, die im Raum um sich greift, auch im Kino spürbar. Ein Problem nach dem anderen taucht auf, ob finanzieller oder persönlicher Natur. Während jede Figur des Films mit sich selbst zu kämpfen hat, verschwindet Gitte. Und niemand weiß, wohin.

Regisseur Hans-Christian Schmid schafft mit seinem fast schon dokumentarischen Spielfilm „Was bleibt“ einen intimen Einblick in das komplizierte Konstrukt einer Familie, die zwischen Selbstverwirklichung und Verpflichtung schwankt. Mit zarten Bildern und eindringlicher Musik definiert er die Familie als einen schmalen Grat zwischen Kontrolle und Vertrauen. Zwischen sich Sorgen machen und den Dingen ihren Lauf lassen. Wenn Kinder plötzlich zum Halt ihrer Eltern werden und sich die Rollen verschieben, scheint sich ihr kleines Universum auf den Kopf zu stellen. Alles und jeder verliert den Boden unter den Füßen. Trotzdem bleibt der Kinobesucher fest auf seinem Platz sitzen, um keinen Aspekt dieses stillen und nahen Films zu verpassen.

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