Why can’t I be good?
[Hommage „In weiter Ferne, so nah!“]

Erstens: Zeit ist kurz.
Zweitens: Zeit ist zeitlos.
Drittens: Du bist die Uhr.

In weiter Ferne, so nah!
Foto: Kinowelt


Cassiel (Otto Sander) ist unsterblich. Von der Siegessäule aus blickt er über Berlin, streift durch Straßen und U-Bahn-Stationen, beobachtet das rege Treiben der Menschen, lauscht ihren Gedanken und Sorgen. Niemand kann ihn sehen, doch sein Freund Damiel (Bruno Ganz) kann Cassiel spüren, wenn dieser ihm sanft ins Ohr pustet.
Der Engel und seine Gefährtin Raphaela (Nastassja Kinski) sind enttäuscht: „Die Menschen haben sich nicht der Erde Untertan gemacht, sie sind ihr Untertan geworden.“ Sie sind deprimiert von der sozialen Kälte und davon, nicht zu wissen, wie es sich anfühlt ein Mensch zu sein. Als Cassiel der kleinen Raissa das Leben rettet, wird er plötzlich quicklebendig. Doch wenn Engel fallen, fallen sie tief: Begleitet von einem gewissen Emit Flesti (Willem Dafoe) verliert der sanftmütige Bote nicht nur sein Geld, sondern auch seine Orientierung. Als er in die Geschäfte des dubiosen Tony Baker (Horst Buchholz) einsteigt, nimmt die Geschichte um ein verstecktes Waffenlager unterhalb des Tempelhofer Flughafens ihren schicksalhaften Verlauf.

„In weiter Ferne, so nah!“ ist eine poetisch-melancholische Großstadtsage mit wunderbaren Gastauftritten von Peter Falk, Heinz Rühmann und Michail Gorbatschow. Eingebettet in beeindruckenden Kamerafahrten und sphärischer Musik erzeugt die Fortsetzung von „Der Himmel über Berlin“ eine außergewöhnliche Stimmung. Die 144-minütige Sinn-und-Zeit-Suche wäre ohne das leidenschaftliche Spiel und die warme, vertraute Stimme Otto Sanders undenkbar. Einziger Wermutstropfen: Zu viele Nebenstränge konzentrieren sich auf einen kriminellen Clou, dessen gesamte Aussagekraft so viel geringer ist als ein einziger Song von Lou Reed.

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