Schaum vor dem Mund
[die jungen Wilden „Frontalwatte“]

„Ja, das ist echt ein Problem. Ich konnte mich auch nicht so extrem abnippeln, aber so ein halber Nippel ist immer noch da und der geht nicht weg.“

Szene aus dem Film "Frontalwatte"
Foto: Filmstill

Inmitten von Berlin leben Franz (Franz Rogowski), Adrian (Simon Finkas) und Anastasia (Paula Schramm) in den Tag hinein. Verantwortung tragen? Nee, lass ma. Den Alltag verbringen sie mit ziellosen Aktionen, ohne zu wissen, was sie selbst eigentlich wollen. Franz, der gerade von seiner Freundin verlassen wurde, sucht den Ausgleich im Poetry Slam oder verbringt seine Zeit mit nicht ernstgemeinten Wohnungsbesichtigungen. Adrian, der eine Inzestbeziehung mit seiner Mutter Ursula (Gabi Herz) führt, beginnt als vielversprechender Musiker Triangelunterricht zu nehmen. Anastasia nimmt das Couchsurfing wörtlich und ist gleichgültig als Stadtmatratze ihrer Gastgeber unterwegs.

„Frontalwatte“ ist die Projektionsfläche für die gemeinsame, haltlose Unsicherheit der vier Protagonisten, die sich in vulgärer Sprache und niveaulosen Obszönitäten ausdrücken. Die Inhalte bewegen sich weit entfernt vom nüchternen Zustand, der zusätzlich verstärkt wird durch Unschärfen und die schwankende Kameraführung. Es scheint, als ob die Figuren in ihrem Austausch von sinnfreien Banalitäten und provokanten Aussagen den Fremdschämfaktor des Zuschauers auf ein absolutes Maximum bringen wollen. Ungläubig schaut man der Willkür der Handlung zu und fühlt eine seltsame Mischung aus verständnislosem, komisch-traurigem Mitleid. Die Szenen sind improvisiert, als wenn man auf dilettantische Art dem Zuschauer mit versteckter Kamera auf den Zahn fühlen wolle. „Frontalwatte“ versinkt im Strudel der Orientierungslosigkeit und ist New-Trash-Unterhaltung ohne großes Budget: Schonungslos und mutig!

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