Ist das jetzt Kunst?
[Ausstellung „Feathered Diary“]

Malen nach Zahlen: Alexei Kostromas  verwirrend eigenwillige Objektkunst im Schleswig-Holstein-Haus

Der Künstler Alexei Kostroma und sein Selbstportrait
Foto: blende2komma2

Draußen scheint die Sonne, wir leiden etwas an Nachmittagsmüdigkeit, unsere Hände kleben vom Eis und Presseausweise haben wir auch nicht dabei. Vielleicht sind wir denkbar schlecht auf Kunst eingestellt und tun uns deswegen schwer, einen Zugang zu Alexei Kostromas Ausstellung „Feathered Diary” zu finden.
Alexei Kostroma erregte weltweit Aufmerksamkeit in der Kunstszene, als er 1994 eine Kanone aus dem Zweiten Weltkrieg befederte. Auch für die zurzeit im Schleswig-Holstein-Haus gezeigten Objekte und Malereien verwendete er Federn und Eierschalen. Immer wieder findet man scheinbar willkürliche Rechnungen oder akribisch notierte Nummerierungen auf den Bildern. Ich erkenne einen roten Faden, der sich durch die Ausstellung zieht, sehe aber keine Aussage, die ich zu finden versuche. Sollen die Bilder zum Denken anregen? Was übersehe ich?
Erst als ich im Obergeschoss ein mit Federn eingekleidetes Urinal entdecke, ziehe ich die Parallelen zu Marcel Duchamps Objektkunst. Ich schaue mich erneut um – Alltagsgegenstände, zweckentfremdet, abstrahiert. Kostroma verkleidet gebrauchte Gebrauchtgegenständen mit empfindlichen Naturmaterialien und ordnet ihnen so eine neue Funktion zu.

Ich habe Mühe, meine Begleitung vom Berühren der verschiedenen Texturen abzuhalten. Sie fragt: „Ist das Kunst?“ Als wir wieder hinaus in die Sonne schlendern, beneide ich Alexei Kostroma. Er hatte beim Fertigen dieser Installationen und Collagen sicherlich mehr Freude, als wir beim Besuch seiner Ausstellung. Aufgrund des eigenartigen Materialmixes ist „Feathered Diary“ aber dennoch sehenswert. Es sei denn, draußen scheint die Sonne.

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