Es brennt an allen Ecken
[gedreht in MV „Kriegerin“]

Was passiert, wenn Verwahrlosung und Perspektivlosigkeit auf Propaganda treffen? Was passiert, wenn Gewalt ein Gewissen bekommt?

Kriegerin
Foto: Alexander Janetzko / Ascot Elite Filmverleih

Nazis. Merkmale: Glatzen, Hakenkreuztattoos, T-Shirts mit Symbolen wie „88“. Sie ziehen durch einen Zug irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern. Verprügeln Ausländer, schikanieren Hopper, setzen den Schaffner aus, übernehmen die Kontrolle. Alltag „hier bei uns im Norden“. Und mittendrin die emanzipierte „Kriegerin“ Marisa (Alina Levshin). Gemeinsam sind sie stark, werden wahrgenommen, haben ein Ziel: den Endsieg.

Svenja (Jella Haase) – 15 Jahre, hasserfüllt, misshandelt, verliebt in einen Nazi.
Rasul (Sayed Ahmad Wasil Mrowat) – Afghane, Asylbewerber, will gar nicht in Deutschland sein, sondern in Schweden.
Was passiert, wenn diese Welten aufeinandertreffen? Was passiert, wenn Gewalt ein Gewissen bekommt? Was passiert, wenn Regionen mit rechtsradikalem Gedankengut allein gelassen werden? Was passiert, wenn niemand den „Nationalen Widerstand“ verhindert? Was passiert, wenn Landkreise aussterben und nur Nazis übrigbleiben? Was passiert, wenn Verwahrlosung, Misshandlung und Perspektivlosigkeit auf Propaganda treffen?

Genau dann passiert das, was ich meine ganze Jugend lang erlebt habe:Nachts nicht mehr durch die Stadt gehen können. Freunde im Krankenhaus besuchen. NPD-Plakate abmontieren. Ehemalige Klassenkameraden in Volkswagen mit Aufschriften wie „100% deutsch“ wiedererkennen.
David Wnendt beschreibt in „Kriegerin“ diese Situation in einer Art und Weise, die beeindruckender nicht sein könnte. Hier in MV. Hier, wo Vielfalt nicht nur gut tut, sondern auch täglich bestraft wird.

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