Auf dem Sprung [Interview mit Florian Opitz]

Florian Opitz, Martin und ich sitzen in einem kleinen Café, vor uns stehen drei dampfende Tassen. Der Filmemacher erklärt uns, dass er nur ganz kurz Zeit hätte. In einer Stunde würde sein Zug nach Berlin fahren. Er hat seinem Sohn versprochen, ihn von der Kita abzuholen. Und am nächsten Tag muss er zu einem Festival nach München. So richtig entschleunigt wirkt er nicht.

Interview mit Florian Opitz
Foto: Maria Buchholz

Hand aufs Herz – hast du gerade dein Smartphone an und bist erreichbar?
Ja, ich hab gerade erst vor fünf Minuten Mails gecheckt.

In deinem Dokumentarfilm „Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ sprichst du mit einem Journalisten, der ein halbes Jahr digital fastet, also ohne Handy und Computer lebt. Du hast auch überlegt, diesen Schritt zu gehen. Wieso hast du das letztendlich doch nicht gemacht?
Während der Produktionsphase war es unmöglich, nicht erreichbar zu sein. Die neuen Medien haben definitiv auch Vorteile. Man muss nur aufpassen, dass man nicht regiert wird, sondern die Kontrolle behält.

Schaut man sich „Speed“ genauer an, merkt man, dass wir unser Leben durch Innovation vereinfachen wollen, es aber nicht wirklich schaffen. Gab es in den letzten 200 Jahren Neuheiten, die uns wirklich Zeit zurückgegeben haben?
Die Erfindungen geben uns alle Zeit zurück. Wir wissen nur nicht richtig, sie zu nutzen. Ich glaube, das Problem sind nicht die Geräte an sich, sondern die Selbstdisziplin der Menschen im Umgang mit ihnen.

Das Problem mit der Zeit kennt jeder. Kommen die Leute jetzt zu dir und fragen nach Rat? Bist du der neue Zeitmanagement-Papst?
Das wäre auf jeden Fall eine gute Einnahmequelle. Ich versuche den Leuten immer zu erklären, dass ich keine allgemein gültige Lösung habe, sondern Denkanstöße gebe. Der Umgang mit Zeit ist etwas, das jeder für sich selbst herausfinden muss.

Interview mit Florian Opitz
Foto: Maria Buchholz

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