Atomar – emotional [Dok „Das Ding am Deich“]

Die Fakten sind nicht neu, die Geschichte nicht unbekannt. Die Sicht ist objektiv. Und doch gelingt ein tiefer Einblick in die Ängste um einen Atommeiler.

Das Ding vom Deich
Foto: die thede filmproduktion

„Die Frage ist oft gekommen: Wie kann einer dafür sein, für die Ansiedelung eines Kernkrafwerkes?“, resümiert Eggert Block, ehemaliger Bürgermeiser der Gemeinde Brokdorf die damaligen Argumentationen. Ein AKW bringe viele Arbeitsplätze mit guter Bezahlung. Eine Region wie Brokdorf könne das doch nicht ablehnen.
Antje Huberts Dokumentarfilm „Das Ding am Deich“ zeichnet Portraits der regionalen Widerstandsbewegung vom Beginn des Protests bis zur aktuellen Lage in Politik und Gesellschaft.
Über 30 Jahre liegen die Ursprünge vomn Brokdorfs Anti-AKW-Bewegung zurück. 1976 wird der Bau eines neuen Atommeilers am oberen Elbeflusslauf beschlossen. Der Widerstand steht mit Megafon am Zaun. Diskussionen, Erörterungen und Empörungen werden vom Baubeginn am 25. Oktober 1976 in nebliger Nacht überrollt. Die angrenzenden Gemeinden reichen Klage ein, es kommt zu vier Jahren Baustopp. In der Wilstermarsch drücken über 100.000 Menschen ihren Unwillen aus, es wird die bis dato größte Demonstration in der BRD. Dennoch: Das AKW wird gebaut. Am 26. April 1986 kommt es zur Katastrophe von Tschernobyl. Am 8. Oktober wird das AKW von Brokdorf eingeweiht und ans Netz geschlossen, genau vor der Haustür.

„Alleene ist man so ’ne kleene Schneeflocke im Wind“, fasst Ali Reimer, Atomkraftgegner und Milchbauer der Region Brokdorf, resigniert zusammen. Doch sie waren nicht alleine. Die Kamera von Barbara Metzlaff fängt sensible Bilder der Gesichter ein, die sich von Beginn an engagierten. Entstanden ist ein kollektives Portrait mit verschiedenen Erinnerungen, Gefühlen und eigenen friedlichen, kreativen Protestaktionen.

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