Angriff nach vorn: Ehrenpreisträger Otto Sander im Portrait

Der Goldene Ochse geht in diesem Jahr an Otto Sander. Wer steckt hinter der unverwechselbaren Erzählstimme? filmab! stellt den 70-jährigen Charakterdarsteller vor.

Portrait Otto Sanders
Foto: Leonard Zubler

Geboren wurde Sander 1941 in Hannover. Zunächst studierte er Theaterwissenschaft, Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in München. Dort begann er 1964 Schauspielunterricht zu nehmen. Bei den Kammerspielen Düsseldorf, am Theater der Stadt Heidelberg und der Freien Volksbühne Berlin hatte er erste Engagements. Insgesamt 11 Jahre gehörte er dem Ensemble der Schaubühne Berlin am Halleschen Ufer an.

Otto Sander, Ehrenpreisträger des diesjährigen filmkunstfestes, ist ein wahrer Querdenker. Raum zu schaffen, zu befreien und über alles lachen zu können – das ist es, was sein Schauspiel bezweckt. In seiner Schulzeit wurde er von seinen Mitschülern aufgrund seiner roten Haare gehänselt, so erzählte er in einem Interview. Um diesen Schikanen zu entgehen, beschloss er von da an das Lachen lieber selbst zu erzeugen: „Das war der Angriff nach vorn.“ Daher wirken seine typischen Figuren selbst dann noch komisch, wenn sie nicht gerade ein leichtes Leben haben. Das Konzept scheint zu funktionieren, wie etliche Beiträge am Theater sowie in Film und Fernsehen zeigen.
Anlässlich der Verleihung des Ehrenpreises „Goldener Ochse“ wird im Capitol eine Auswahl von Spielfilmen zu sehen sein, in denen Otto Sander mitgewirkt hat. Teil dieser Hommage sind Kinofilme, die sein schauspielerisch breit gefächertes Talent besonders zum Ausdruck bringen. Neben den Klassikern wird außerdem „Bis zum Horizont, dann links!“ aus dem Jahre 2011 am diesjährigen Spielfilmwettbewerb teilnehmen.

Doch nicht nur auf der Leinwand begeistert Sander das Publikum. Durch seine unverwechselbar warme und kräftige Stimme ist er ebenso als Sprecher für Hörbücher, Hörspiele, Synchronisationen und Dokumentationen gefragt. Unter anderem verlieh er in Schlöndorffs „Tod eines Handlungsreisenden“ Dustin Hoffmann seine Stimme.
Bei so viel Talent fällt es nicht immer leicht, bodenständig zu bleiben und den Überblick zu behalten. Doch auch das gelingt dem Ehemann und Stiefvater zweier Kinder. Seit über 20 Jahren ist Otto Sander mit Monika Becker liiert. Sie war es auch, die die beiden Kinder mit in die Ehe brachte. Meret und Ben Becker sind, ebenso wie ihre Mutter und ihr Stiefvater, der Schauspielerei verfallen. So oft es geht tagt der Familienkreis, um gegenseitig Kritik und Rat zu geben.

Auf die Frage, wie Sander selbst seine Schauspielkunst erkläre, antwortete er in einem ZEIT-Interview anlässlich seines 70. Geburtstages: „Ich will ja gar nichts – nicht belehren, nicht aufklären, nicht erklären. Ich will mich jedenfalls nicht aufdrängen.“ Wahrscheinlich ist es diese angenehme Unaufdringlichkeit, die Sander zu einem der Großen der deutschen Theaterbühnen und Kinofilme macht – und warum Otto Sander den Ehrenpreis verdient hat.

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