Wüste im Kopf [KF „Wüstland“]

… und Messer in der Brust. Oder, äh, muss das so?!

Ein Phänomen, das bei Kurzfilmen vermehrt auftritt: Die Kamerabewegungen sind extrem statisch; es wird versucht, dem Zuschauer besonders viel Platz für eigene Interpretationen zu lassen und die Gesamtheit soll formvollendet und stilvoll wirken.
Was in diesem Falle dabei rauskommt? Ein Film, der Wüste im Kopf hinterlässt.

Die Sonne brennt hinunter auf eine monotone Landschaft. In der Ferne rollt ein Mähdrescher übers Feld. Und hier, es könnte nebenan sein, sitzt Henry (Beat Wittwer) mit einem kleinen Kind zu Hause. „Hol mir ma noch‘n Bierchen!“, fordert er lapidar. Henry sieht verwahrlost aus, ist liederlich gekleidet, das Gesicht voller Narben. In dem baufälligen Haus, das die beiden bewohnen, sind unzählige leere Bierflaschen akkurat platziert. Immer wieder wirft der Kleine (Finn Staamann) Eindrücke von den (Miss-?)Handlungen ein, die seine abwesende Mutter über sich ergehen lässt. Doch Henrys Antwort ist bloß ein abgestumpfter Blick durch seine gleichgültigen Augen. Als die Mutter des Kindes und ihr neuer Freund an der Tür klingeln um den Sohn abzuholen, bleibt Henry äußerlich zwar ruhig – doch irgendetwas in ihm verliert die Fassung.

Untermalt wird Felix Hartmuths Kurzfilm von Gitarrenriffs, die so kunstvoll erscheinen sollen wie das Gesamtwerk. Die Kameraeinstellungen und der extreme Wärmefilter beruhigen – im Gegensatz zu der Sprechweise des Hauptdarstellers: die nervt furchtbar. Oder sollen die Dialoge auswendig gelernt klingen? Überhaupt: „Wüstland“ wirft mehr Fragen auf, als er beantworten kann.

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