Verlassen mit Wiedersehen [KF „Arbeiter verlassen die Fabrik“]

Weckerklingeln, aufstehen, arbeiten, nach Hause, wieder schlafen gehen. Tagein, tagaus derselbe Trott. Bis plötzlich dieser neue Kollege auftaucht.

Eine junge Frau (Nadine Petry) liegt im Bett. „Ich muss morgen früh raus!“, brüllt sie genervt, um das laute Gejohle nebenan zu beenden. Auch wenn sie weiß, dass das nichts nützt. Der Großteil der Mitbewohner schläft auf der Couch, betrunken und müde, alle beisammen. Sie: Jung und blond, eine Fabrikarbeiterin Anfang 20. Täglich sortiert sie Schrauben. An diesem Morgen fällt ihr jedoch der neue Kollege (Lukas Schaefer) auf, der sofort ihr Interesse weckt. Wie jeden Nachmittag verlassen alle Arbeiter die Fabrik. Sie fährt mit dem Fahrrad, er mit dem Bus. Sie sehen sich. Neubaublocks und schon liegt sie wieder im Bett. Als sie ihn in der Mittagspause dabei beobachtet, wie er statt sich an banalen Gesprächen zu beteiligen einen Schmetterling am Fenster anblickt, kommt ihr eine Idee. Am nächsten Tag ist sie früh bei der Arbeit, um die Morgenstunden auszunutzen. So beginnt das Spiel der kleinen Gesten zwischen den beiden.

Anna Linke gelingt hier eine ungewöhnliche 11-Minuten-Beobachtung über eine junge Frau, deren Arbeitsroutine durch einen kurzen Flirt aufgelockert wird. Selbst in einem kleinen Kurzfilm wie diesem darf das größte Gefühl zwischen Menschen nicht fehlen. Das ganz vor der grauen, trostlosen Fabrikkulisse. Mag sein, dass der Titel für den täglichen Feierabend der Fabrikkollegen steht, aber um eine endgültige Schließung oder Arbeiterstreiks handelt es sich hier nicht. „Arbeiter verlassen die Fabrik“ ist eine Hommage an die kleinen, menschlichen Gesten im Miteinander. Gesten aus purem Metall, die Herzen erweichen.

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