Mitleiden in Mittweida [KF „My Home is your Castle“]

„Wir müssen doch hier die Zelte abbrechen!“

Eine Stadt in der sächsischen Provinz. Ein Haus, das einer Baustelle gleicht. Und ein Mann, der die Schrottimmobilie dringend loswerden will. Blöd nur, dass sich trotz ausgeklügelter Marketingstrategie kein Käufer finden lässt. Dabei ist der Grund doch offensichtlich: ein baufälliges Haus in einem Ort mit knapp 15.000 Einwohnern, von denen der gefühlte Großteil schon lange das Rentenalter erreicht hat. Mittweida ist einfach keine Stadt, in die man investieren will. Vielleicht ist es noch nicht mal eine Stadt, in der man leben will. Zumindest gibt es keine Arbeit dort für die Ehefrau des Mannes. Also raus, raus, raus!

Dieser Kurzfilm ist genauso schrottig wie das Haus, das einfach keiner kaufen will. Besonders das Ende, das hier nicht verraten werden soll, ist so platt, dass man sich ein bisschen fremdschämen muss. Dramaturgisch spitzt sich die gesamte Geschichte dermaßen auf ein letztendlich enttäuschendes Finale zu, dass man sich ernsthaft fragt: Was will uns Regisseur Martin Nudow nur mit auf den Weg geben? Vielleicht möchte er uns mitteilen, dass das Thema Abwanderung nach wie vor problematisch und der reale Anblick der verlassenen Städte in der ehemaligen DDR erschreckend ist. Schön und gut, aber geistlose Dialoge und ein paar holprige Slapstick-Scherze helfen da auch nicht weiter. Einzig Setting und Musikauswahl überzeugen in diesem sonst so nichtssagenden Kurzfilm. Insofern ist das Zuhause in Mittweida wirklich eine Burg – eine, aus der man dringend ausbrechen möchte.

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