Gescheitertes Multikulti [Israel „Ajami“]

Ein Hauch von Shakespeare in Israel: Zwei Familien bekämpfen sich bis aufs Blut.

Ajami ist sowas wie der arabische Teil von Tel Aviv-Jaffa und zählt nicht unbedingt zu den touristenfreundlichen Gegenden der Stadt. Omars Familie ist tief verfeindet mit einem anderen Clan aus dem Viertel – wenn er nicht innerhalb der nächsten drei Wochen eine utopische Geldsumme auftreibt, wird keiner seiner Liebsten den nächsten Tag erleben. Malek, ein Freund von Omar, hat wegen der anstehenden Operation seiner todkranken Mutter ebenso heftige finanzielle Probleme. Die beiden Männer entscheiden sich, in die lokale Drogenszene einzusteigen, um ihrer ausweglosen Lage Herr zu werden. Und dann gibt es noch Dando, einen jüdischen Polizisten, dem alle Mittel recht sind, um den Tod seines Bruders zu rächen.

Schon die Regiekombination dieses Spielfilms ist außergewöhnlich: Yaron Shanti ist jüdischen Glaubens und Scandar Copti ein christlicher Araber, die beide in Israel aufgewachsen sind. Zusammen ist ihnen eine komplexe Verstrickung der einzelnen Handlungsstränge geglückt, die es vermag, den Zuschauer sowohl auf narrativer als auch temporaler Ebene zu irritieren. Obwohl – oder: gerade weil – es sich bei dem Cast ausschließlich um Laiendarsteller handelt, überzeugt dieser Thriller mit seiner faszinierenden Glaubwürdigkeit. Allerdings hätten sich Shanti und Copti zeitlich ein wenig mehr zurücknehmen können, denn das Ausmaß redundanter Fragen übersteigt in „Ajami“ beizeiten die Geduld des Zuschauers. Der Oscar-nominierte Film ist vor allem eins: Mahnmal für ein Land, das seine innere Zerrissenheit einfach nicht überwinden kann.

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