Ein heißer Sommertag [Israel „Shir in the Water“]

Ein spontaner Flirt im Freibad – wenn da nur nicht der Bruder mit der Hitler-Obsession wäre.

Es ist Sommer, ein herrlicher Tag zum Schwimmen. Shir (Sara Benjamin), ein pflichtbewusstes Mädchen, geht mit ihrem geistig behinderten Bruder Aaron (Aharon Rose) ins Freibad. Aaron liebt Geschichte. Besonderes die Geschichte um Hitler. Plötzlich entdeckt die schüchterne Shir einen Jungen, der ins Wasser springt – Yonatan. Sie flirten. Shir hat Schmetterlinge im Bauch, die Liebelei bahnt sich an. Nur: Ihr reizvolles Liebäugeln wird gestört von Aaron und seinen obsessiven Geschichtsfragen: „Wann war die letzte Verschwörung gegen Hitler?“ oder „Wer versuchte, Hitler am 20. Juli zu töten?“. Shir muss sich entscheiden: Noch ein Blick auf ihren Schwarm im Schwimmbecken riskieren, oder doch lieber ihre familiäre Aufsichtspflicht einhalten?

Der spannende Kurzfilm der israelischen Filmstudentin Keren Bergman zeigt eine verblüffende Kontroverse zwischen Teenager-Leben und Kindermädchen. Die moralische Verpflichtung, auf den kleinen Bruder aufzupassen und gleichzeitig sein eigenes Leben zu bestreiten ist eine schwierige Herausforderung. „Shir in the Water“ konfrontiert den Zuschauer mit der ungeschönten Wirklichkeit von einem Teenager-Leben auf den Schritten zum Erwachsensein. Das Zusammenspiel aus Perspektive und Kameraschärfe zeigen einen unverhofften Blick auf die Ereignisse. Der Fokus wird auf Gestik und Mimik der drei Akteure gelegt. Die Dialoge haben einen schlichten, fast schon belehrenden Sprachstil.

Der Kurzfilm feiert zusammen mit drei anderen Studentenbeiträgen der Jerusalemer „Sam Spiegel TV & Film School“ im Rahmen der israelischen Länderreihe seine Premiere auf dem filmkunstfest.

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