Ehe-Manzipation [Hommage „Bis dass der Tod euch scheidet“]

Gefangen zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Das Portrait einer scheiternden Ehe – mit Katrin Sass in ihrer ersten Hauptrolle.

Ein befriedigendes Weibsstück, das ihm bei seinen Alkoholexzessen Gesellschaft leistet und wie ein Automat das Denken abstellt – Sonja (Katrin Sass) ist der ganze Stolz von Jens (Martin Seifert), dem depressiven Bauarbeiter. Mit einer kitschig-romantischen Hochzeit beginnt das idyllische Liebesglück der beiden in Katrin Sass‘ Kinodebüt „Bis dass der Tod euch scheidet“ von 1978. Das junge Paar tritt die traditionelle Rangfolge der klar definierten Ehe an, die Sonja an Herd und Heim kettet und für Jens das plumpe Feierabendbier vorm Fernseher vorsieht.

Vorerst kann sich das Scheinglück durch nützliche Lehrbücher über die Führung einer Ehe halten. Doch nach einem Jahr möchte sich Sonja als Fleischverkäuferin im Konsum selbstverwirklichen. Jens rastet völlig aus. Er sieht die Familienidylle bedroht und kann nicht mit der Schande der beruflichen Karriere seiner Frau leben. Das Leben „muss seine Ordnung haben“ und die Erfüllung lautet nun mal: Vater, Mutter, Kind – kein Leid, kein Streit. Und während Heintje unschuldig und engelsgleich im Hintergrund von „Heidschi Bumbeidschi“ erzählt, findet sich Sonja tagtäglich in einem Horrorszenario ihrer Ehe wieder. Die unbewegliche Starrsinnigkeit von Jens‘ kleingeistigem Denkansatz äußert sich in Prügelattacken und anschließendem Versöhnungssex.
Blanke Liebeserklärungen und überbordende Klischees zeigen letztlich das gestörte zwischenmenschliche Verständnis. Bei Jens ufern diese zum Ausleben seiner männlichen Triebe aus, die er nur zu gerne einem „Gespräch“ vorzieht. Leider wurde dieses Ausufern der Gefühle nicht im Katalog erwähnt…

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