Die Gewohnheit und ihre Opfer [SF „Über uns das All“]

Wahre Hingebung oder nur eine Illusion? – „Letzten Endes ist jede Liebe in ihrer Anlage Faschismus.“

Das junge Paar Martha (Sandra Hüller) und Paul Sabel (Felix Knopp) wollen ein neues Leben in Marseille beginnen. Doch der unerwartete Selbstmord Pauls wirft Martha aus ihrer Illusion der Liebe und ihrer Vorstellung, wer Paul wirklich war. Es offenbaren sich Verstrickungen und Lügen, die es zu verarbeiten und aufzuklären gilt.

Mit nüchterner Direktheit zeigt der Regisseur und Drehbuchautor Jan Schomburg in seinem Debüt „Über uns das All“ eine verschleiernde Beziehungsgeschichte, deren Suche nach der Wahrheit auf die Sehnsüchte einer jungen Frau basieren. Die Reaktionen und Verhaltensweisen Marthas als Witwe zeigen die Sensibilität ihrer Person, die sich hinter einem naiv-trotzigen Mädchen verbergen. Rastlos getrieben zwischen Sein und Schein, versucht Martha die Wahrheit über die Identität ihres Ehemannes zu erfahren und mündet vorerst ziellos in die Arme des charmanten Dozenten Alexander, der in ihrem Leben sogleich den Platz von Paul einnehmen soll. Mit einfachen Dialogen wird an der Oberfläche der Gefühle gekratzt, sodass sich eher das Bett anstatt wirkliche emotionale Tiefe geteilt wird.

„Über uns das All“ ist unerwartet, unvoreingenommen, direkt, spontan. Abseits der gängigen Vorstellung von Romantik wird mit unkonventionellen Mitteln der Ton- und Kameragestaltung eine spannende Geschichte geschaffen, die dieses Liebesdrama authentisch werden lassen.

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