„Bring Engel zu Nashorn“ [cinema of the world „Lebanon“]

„Der Mensch ist aus Stahl, der Panzer nur aus Eisen.“ – Durch ein Zielfernrohr zeigt sich der reale Krieg in all seiner Härte.

Nichts für pathologische Klaustrophobiker: In „Lebanon“ steckt Samuel Maoz den Zuschauer auf engsten Raum unter die vierköpfige Besatzung eines israelischen Panzers. Codename „Nashorn“. Den einzigen Orientierungsblick nach draußen bietet das zitternde Zielfernrohr, bedient durch den verängstigten Schützen Shmulik (Yoav Donat). Und die Bilder dort draußen sind nichts für schwache Gemüter.
Der international preisprämierte Film behandelt den ersten Tag der Libanoninvasion. Kurze Begrüßungsrunde, knapper Militärjargon. Als Augenzeuge des Todes hat Shmulik stark mit den Nerven zu kämpfen: „Bisher hab ich nur auf Fässer geschossen. Ich bin verwirrt!“ Die jungen Männer sind dem Ernst des Krieges überhaupt nicht gewachsen. Es folgt eine schockierende Szene nach der anderen. Bis plötzlich eine syrische Rakete auf den Panzer zurast.

In Anlehnung an „Beaufort“ (2007) und „Waltz with Bashir“ (2008) ist „Lebanon“ ebenfalls die filmische Verarbeitung persönlicher Kriegserlebnisse. Samuel Maoz schafft so eine der realistischsten Umsetzungen eines erschreckenden Szenarios. Das Besondere an diesem Film ist die akzentuierte Kameraführung. Die brutalen Szenen werden allein durch den Sucher des Zielfernrohrs offenbart. Dabei verschmilzt der Zuschauer mit Shmuliks Perspektive und wird gezwungen, sich in der Enge der Handlungssituation dem Geschehen zu fügen. In besonders dramatischen Szenen fällt der Fokus direkt auf die Augen. Das halbzerfetzte Tier am Straßenrand atmet noch. Es fühlt noch. Es blickt zu dir rüber. Aus seinem Auge drängt sich eine Träne. Wen solche Bilder nicht berühren, muss ein Sadist sein.

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