„Auf Knopfdruck kreativ zu sein geht nicht“ – Alex im Portrait

Es ist Sonntagmittag, kurz nach halb 12. Am Tag der Arbeit ist auch die filmab!-Redaktion beschäftigt mit, nun ja, arbeiten. Alex und ich machen uns auf zum Einsteigsinterview am Pfaffenteich. Alex heißt eigentlich Alexander und ist dieses Jahr zum ersten Mal bei der filmab! dabei. Ob es auch sein erster Besuch in Schwerin ist? „Nein, ich war schon mal zwei Wochen zur KSK hier.“ – KSK? – „KunstSommerKurs“, erklärt er mir die Abkürzung, bei der ich zuerst an die Künstlersozialkasse dachte.
Alex Ivanov

Wir setzen uns ans Südufer des Pfaffenteichs auf eine Bank. Trotz strahlender Sonne pfeift eine steife Brise über die Treppenstufen, auf denen eine Handvoll Knirpse mit bunten Spielzeug und einem großen Schild für ihren „Kinder-Flohmarkt“ werben. Während die Petermännchenfähre bedächtig an den watschelnden Enten vorbeifährt, liefern Kirchenglocken und Möwengackern den Soundtrack für unser Gespräch.

Fangen wir doch mal mit den Standardfakten an: Alexander, Nachname Ivanov, 21 Jahre alt, ursprünglich aus Kasachstan. Seit 2002 lebt er mit seiner Familie in Richtenberg – die kleinste Stadt Mecklenburg-Vorpommerns, wie ich später erfahren werde. Alex erzählt mir, dass er gerade seinen Zivildienst beendet hat und bald sein Psychologiestudium beginnen möchte. Ich war selbst Zivi und deswegen hake ich natürlich gleich nach: „Ich war bei den Maltesern in Stralsund. ‚Integrationshilfe‘ nannte es sich. Meine Aufgabe war es, ein geistig behindertes Mädchen in der Schule zu unterstützen.“ Auf meine Frage, ob sich denn die Erfahrung Zivildienst gelohnt hätte, überlegt Alex ein bisschen und sagt dann: „Joa. Es war schon gut.“ Auch, wenn es nicht sein tatsächlicher Wunsch war, auf diesem Gebiet zu arbeiten. Doch er wollte gerne in Stralsund bleiben.

Der Wind weht inzwischen etwas frischer. Alex sitzt mir im Schneidersitz und geschützt durch Kapuze und Schal gegenüber. Ach ja, die KSK interessiert mich ja auch noch. Was hat es damit eigentlich auf sich? „Es handelt sich dabei um regelmäßige Kurse von erfahrenen Künstlern mit wechselnden Themen.“, erklärt er mir. Bereits in Kasachstan besuchte er eine Kunstschule, seitdem macht er gerne Skizzen und Malereien. Über seinen ehemaligen Kunstlehrer sei er dann auf die Sommerkurse aufmerksam geworden. „Ich war inzwischen mehrmals dabei. Es war immer eine feine Sache mit vielen Möglichkeiten, aber auf einem hohen Niveau und stark strukturiert. Am Ende jedes Tages musste man seine Ergebnisse präsentieren – und zum Abschluss gab es auch eine Bewertung.“ Inzwischen nimmt er nicht mehr an den zweiwöchigen Kursen teil und möchte sich auf anderen Wegen seiner Kreativität widmen – einfach „auf Knopfdruck kreativ zu sein“ geht nicht.

Die spannende Masterfrage zum Schluss: Wie kommt es, dass wir Alex nun bei filmab! treffen? „Nun, eigentlich mögen wir alle ja Filme, oder nicht?“ Er selbst freut sich besonders auf die neue Erfahrung, journalistisch Filme zu rezensieren. Persönlich outet er sich als Fan von Dramatik und Romanze – „aber vor allem mag ich Filme, aus denen man auch viel Lebensphilosophie schöpfen kann, um etwas für sich zu gewinnen.“ Welche ihm dabei spontan einfallen? Alex schaut nachdenklich über den Pfaffenteich: „Schwierige Frage.“, gibt er zu. Von „Gandhi“ war er beeindruckt, aber auch „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ habe ihn geprägt.

Die Flohmarktkinder sind inzwischen aufgebrochen, die Entern schnattern weiterhin. Während wir weiter über gesellschaftliche Sichtweisen auf Social Networks diskutieren, machen wir uns auf den Rückweg zur Jugendgästeetage. Schließlich erwartet uns heute – wie sollte es auch anders sein? – noch ein bisschen Arbeit in der Redaktion.

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