„We can start from the beginning“ – Gedankenknete [mecklenburg connection „Divorcing God“]

Sie sah ihn und wollte nichts inniger. Er fiel in den gleichen Teich, zusammen wollten sie bis zum Ufer schwimmen, ein zweisames Leben aufbauen und darauf thronen. Doch wie das manchmal so ist, zerbricht ihre Liebe auf der fehlenden Basis von Kommunikation. Wie ist es denn eigentlich, wenn das eigene Herz auseinander bricht? Wer klebt dir dein Herz, wenn deine Hände zu taub sind? Aber Pflaster sind doch nie für die Ewigkeit. Vielleicht einfach mal die Hände falten und beten. Hoffnung tanken, weiterleben.

 

Gil Gatch und Sidney Helou lieben einander und Jesus. Beide offensichtlich konservativ eingestellt, haben sie entschieden: Kein Sex vor der Ehe, und auch sonst nichts in der Art. In der Dokumentation Divorcing God betreten sie das Podest zum Hochzeitsschwur in ihrer baptistischen Gemeinde. Kommentar von Anna zum Hochzeitskuss: „Ist ja niedlich, wie die sich auffressen.“
Die konservative Einstellung zu Liebe und Ehe macht Sidney schnell klar: „Die Ehe hält zusammen, weil wir sie begangen und entschieden haben, wirklich uns selbst für den anderen aufzuopfern.“ Gut, dass die Ehe trotzdem so lange gehalten hat. Drei Monate später bekommt Gil eine E-Mail von seiner Geliebten, in der sie ihm die Trennung verkündet. Ohne Grund. Fortan sucht er Schulter und Rat bei seinem Pastor, der in seinen Jugendmessen in psychedelischer, Doors-ähnlicher Konzertstimmung zum Beten zu Gott mitreißt. Gil zerfließt vor Sehnsucht und zeigt vor der Kamera seine wunden Punkte. Der Zuschauer fühlt mit und beginnt Antipathien für diese komische Sidney zu entwickeln und freut sich, als Gil nach sechs Monaten endlich wieder Freiheit verspürt.

 

Divorcing God gibt Hoffnung für hoffnungslose Fälle und einen Einblick in streng konservative christliche Meinungen, die gut zum Schmunzeln bringen. Nur die Tiefgründigkeit und der ernste Anstrich des Streifens werden von der Propaganda am Ende des Abspanns so ins Lächerliche gezogen, dass wir doch noch lachen konnten: „Did this film speak to you? Become our Facebook-Fan!“

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