„Was soll ich denn jetzt machen? Nazi werden?“ [Retro „Kombat Sechzehn“]

Aus der Börsenmetropole in die brandenburgische Provinz: Als der 16-jährige Georg (Florian Bartholomäi) von Frankfurt/Main nach Frankfurt/Oder ziehen muss, bricht für ihn eine Welt zusammen. Sein Traum, hessischer Landesmeister im Taekwondo zu werden, löst sich in Luft auf. In Frankfurt an der Oder wartet eine trostlose Umgebung auf ihn – ohne Hoffung, ohne Perspektive. Sein erster Schultag in der neuen Klasse beginnt mit einem direktem „Hey du Wichser! Warum bist du nicht drüben geblieben?“ und „Bist du rechts oder links?“ der aufmüpfigen Neonazis, die passenderweise vor einer großen Deutschlandfahne im Klassenraum sitzen.
Obwohl hier anscheinend Welten aufeinander treffen, entwickelt sich zwischen Georg und Thomas (Ludwig Trepte), dem Führer der Klassennazis, eine Art Hassliebe. Beide teilen die Begeisterung für das asiatische Kampfbuch „Die Kunst des Krieges“. Die Beziehung von Georg zu den neuen „Freunden“ entwickelt sich immer weiter, während die zu seinem Vater und seiner Schwester schwindet. Als er seine Freundin Jasmin (Isabelle Mbarga) mit einem anderen erwischt, erlischt sein letzter Funken Hoffnung. Auf dem Rückweg nach Frankfurt/Oder dient eine Spiegelscherbe zum Rasieren einer Glatze.
Doch beim Angriff auf einen vermeintlich linken Jugendlichen gerät Georg in die große Kollision mit den Kameraden…

„Kombat Sechzehn“ vermittelt einen einzigartigen Eindruck der Trostlosigkeit im tiefstem Osten. Die auf den ersten Blick zu klischeehaft wirkenden Neonazis des Films sind für die Region doch sehr passend. Bomberjacke, Springerstiefel und Glatze gehören hier zur Tagesordnung. Durch den Film ziehen sich Rückblicke auf Georgs Leben als Kampfsportler in Hessen, die sich mehr und mehr in Ausdrücke seines Gewissens wandeln.

Der Soundtrack der eigens für den Film erschaffenen Band „Einstufung“ – die Namensähnlichkeit zur Rechtsrockband „Endstufe“ ist nicht zu übersehen – untermalt die Atmosphäre des Films ausgezeichnet. Den Abschluss bilden dann aber doch die Böhsen Onkelz mit „Wenn du wirklich willst“ und bieten eine hoffnungsvolles Ende. Eine andere Band hätte kaum besser zum Film passen können. Lassen sich in der Geschichte der Rockgruppe und dem Handlungsverlauf von „Kombat Sechzehn“ doch viele Parallelen ziehen.

„Den Eltern fehlen oft die passenden Argumente“
Am Mittwochmorgen war der Film Bestandteil des Kinoseminars. Ein Publikum aus Berufsschülern von 16 bis 26 Jahren sahen das Jugenddrama und stiegen im Anschluss in eine Diskussionsrunde mit ein, an der Regisseur Mirko Borscht leider nicht teilnehmen konnte.
Die Zuschauer diskutierten heftig. So kamen viele Meinung zum Ausdruck: Zu viele Klischees seien in dem Film erfüllt worden. Die Böhsen Onkelz im Soundtrack wären zu platt. Zweifel, ob man die Zielgruppe mit dem Medium Film noch erreichen würde. Aber der einhellige Tenor war trotzdem, dass Prävention gegen Rechts wichtig sei und weiter gefördert werden solle. Für alle, die nicht als Schüler am Kinoseminar teilgenommen haben, läuft der Streifen noch einmal am kommenden Freitag um 16 Uhr im Capitol 2.

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