„Von Weibern können sie bis zum Schluss nicht lassen.“ [Lesung Torsten Schulz]

Zu einer Veranstaltung am Mittwoch hatte das Schleswig-Holstein-Haus einen besonderen Gast: Autor Torsten Schulz las aus den ersten drei Kapiteln seines Debütromans „Boxhagener Platz“ – Vorlage für den gleichnamigen Film, für den er auch das Drehbuch schrieb.

Inspiriert von der eigenen Kindheit in Ost-Berlin wollte Schulz eine Milieustudie mit seinen Roman schaffen. Dieses Ziel hat er nicht verfehlt. So fühlten sich die Zuhörer augenblicklich in das Berlin von 1968, die Welt des 12-jährigen Holger, versetzt. Der begleitet, wie fast jeden Tag, seine Oma Otti zum Friedhof. Beim Besuch der vielen Gräber ihrer ehemaligen Ehemänner erfährt der Zuhörer alle möglichen witzigen Details aus dem Leben der originären Charaktere.

Skurrile Details
Die schnodderige Sprechweise und der trockene Humor sorgten für konstantes Kichern im Raum. Gekonnt intonierte Schulz den Berliner Dialekt. Über die bissigen Kommentare Oma Ottis zur „Aasbande“ von Kommunisten und ihren vielen Verehrern – allesamt Freunde und „Suffköppe“ Opa Rudis – lachten die Zuschauer ausgelassen. Den wichtigen Beitrag der Sprache zur Atmosphäre hob Schulz im anschließenden Autorengespräch mit Dr. Anja-Franziska Scharsich hervor: „Die Figuren sprechen so, wie sie sind.“

Viele Anregungen für die Charaktere stammten aus dem eigenen Familienkreis – „skurrile Details im Leben der proletarischen Leute,“ so Schulz. Die Erinnerung an die Kindheit am Boxhagener Platz sei zwar im Laufe der Zeit verschwommen, dennoch habe ihm die Wahl der eigenen Vergangenheit als Stoff Sicherheit gegeben. Die Geschichte sei aber trotzdem fiktiv, betont Schulz: „Meine Großmutter hatte nur vier Ehemänner.“

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